Tag: Buch
JUD SÜSS – FILM OHNE GEWISSEN
by Su on Aug.30, 2010, under 5 min nach dem Film
„Es ist nicht schlecht. Aber schrecklich.“
Zweimal werden dieses Zeilen gesprochen in dem beeindruckenden „JUD SÜSS – FILM OHNE GEWISSEN“ von Oskar Roehler, der immer brillanter wird. Zweimal geht es um die Propaganda-Kunst der Nazis. Der Schrecken steckt zwischen den Zeilen eines Drehbuchs und eines Kindergedichts.
Ein Teil deutscher Filmgeschichte ist, dass um 1939 der Schauspieler und Lebemann Ferdinand Marian unter anderem von Joseph Goebbels und Regisseur Veit Harlan vorgesehen war, den Prototyp eines Juden zu spielen im größten Propaganda-Film der Nazis „Jud Süss“. (continue reading…)
BritFilms – Schulfilmreihe der AG Kino
by Su on Aug.25, 2010, under Misc
Über das Filmhaus Saarbrücken (BritFilms III – 2.-8.9.2010 Programm-pdf) hat uns die Meldung erreicht, dass BritFilms – eine Schulreihe der AG Kino – mit der Aufführung englischer Kinofilme für Schüler Englisch lernen besser machen will. In meinen Augen eine super Lösung, denn auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich “phrasal verbs” unangenehm auswendig lernen lassen und beim “Indianer Jones” auseinander nehmen (d.h. eine englische Nacherzählung unter Verwendung derselben schreiben) einfacher hängen bleiben.
Lehrmaterialien zum Thema gibt es für Lehrer und Eltern auf der BritFilms-Website. Gezeigt werden die Filme: JAMES AND THE GIANT PEACH, SON OF RAMBOW, 32A, ONCE, HAPPY-GO-LUCKY und RICHARD III.
VERBLENDUNG – Stieg Larsson’s Millenium Trilogie
by Su on Jun.03, 2010, under Frisch aus der Konserve - [dvd]
Der Film “Verblendung” ist gut, Stieg Larsson’s Millenium Roman Trilogie als Politthriller und Gesellschaftsreigen aber eine Dimension für sich. Die alte Regel gilt: lies das Buch, wenn du voll auf deine Kosten kommen willst. Krimi-Fans atmen 3 x 800 Satz für Satz spannende Buchseiten in einem Rutsch weg. Der Drehbuchautor musste adaptieren, was er getan hat auf seine Art, für die deutsch, schwedisch, dänische Film- und Fernseh-Produktion. Im Vergleich zu den Büchern geht schlichtweg einiges an intelligenter Geschichte verloren, sowie an Humor, der trotz Genre in den Büchern aus den situativen Dialogen spricht. Ausgerechnet die Protagonisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) und Lisbeth Salander (Noomi Rapace) kommen deshalb, trotz großer schauspielerischer Leistungen, gegenüber den Büchern eindimensional rüber. Plant also gut, ob ihr Film oder Buch zuerst kennen wollt. In Schweden zählen die Filme zu den erfolgreichsten überhaupt – unter den Nominierungen zum Europäischen Filmpreis 2009 war Noomi Rapace die vieldiskutierte Überraschung. Laut wikipedia laufen mittlerweile längere Fernsehfassungen in Schweden – es besteht also noch Hoffnung für diese erstklassigen Romanvorlagen. (continue reading…)
Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra
by Su on Sep.03, 2008, under 5 min nach dem Film
Vor einiger Zeit als internationaler Roman-Erfolg ganz oben auf den Bestsellerlisten kommt am 11.9.08 die Verfilmung von Roberto Savianos “Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra” in die deutschen Kinos. Der mit dem Großen Preis von Cannes ausgezeichnete Film aus Italien ist realistisch inszeniert und handelt vom kriminellen Clangeschäften: Drogenhandel, Müllentsorgung oder dem Geschäft mit Designermoden. “Ich habe ein Angebot für dich, dass du nicht ausschlagen kannst.”, so drückt es der ‘Pate’ der Filmgeschichte aus. Glaubt man dem Film, läuft es in die Realität nicht viel anders ab. Bei dieser Art Geschäfte geht es ums Überleben.
Die semifiktionale Erzählung, die in den Regionen Neapel und Caserta spielt, und für die der Romanautor wegen Morddrohungen unter Polizeischutz steht, beschreibt einzelne Personen im Netz des ‘Systems’. Im sozialen Brennpunkt Scampìa, wo sich zwei Banden bekriegen, geraten der 13-jährige Totò, der ‘Buchhalter’ Don Ciro, der Schneider Pasquale und ein Halbstarken-Duo zwischen die Fronten. Denn Arbeit gibt es nur innerhalb des ‘Systems’.
Über den Film schreibt der 1979 in Neapel geborene Romanautors Saviano: ?Im Prinzip unterscheidet sich das Zuschauen im Kino nicht wirklich vom Leben im Gebiet der Camorra und anderswo. … Aber nur hier kann man ‘Scarface’ sein. Das allerdings bis zur letzten Konsequenz.“
Karg, hart und drastisch wirken die Bilder, die Regisseur Matteo Garrone für “Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra” eingefangen hat. Er schildert das, was auf Italienisch nur das ‘System’ genannt wird, die Funktionsweisen der verschiedenen Clans der Camorra (Neapel und Umland), Cosa Nostra (Sizilien) oder Ndrangheta (Kalabien). Im Epilog stellt er dem eine mörderische Statistik und glänzende Umsätze entgegen (Handelsvolumen 150 Milliarden Euro im Jahr). Ein Totentanz. Sehenswert!
>> Italien 2008; R: Matteo Garrone; D: Toni Servillo, Gianfelice Imparato, Maria Nazionale, Salvatore Cantalupo u.v.m.; V: Prokino
>> Start: 11. Septeber 2008
>> www.gomorrha-derfilm.de/
A Scanner Darkly
by macro on Nov.25, 2006, under 5 min nach dem Film
Mein Lieblingsbuch von Philip K. Dick verfilmt, da freu ich mich schon eine ganze Weile drauf. Der deutsche Kinostart wurde schon wiederholt verschoben, nachdem ja der Film schon bei der Berlinale und einigen anderen Festivals lief.
Der experimentelle Look durch das Überzeichnen der Bilder – teilweise sehr schon in Comicmanier, teilweise sieht es sehr nach Tracingprogramm aus – ist eine nette Idee; gerade bei der Darstellung des Jederman-Anzuges auch sehr schön umgesetzt, trotzdem lenkt es irgendwann nur noch ab, trägt der Film sich selten selbst.
Aus dem großen Staraufgebot ragt Rory Cochrane in der Nebenrolle als komplett durchdrehender Charles Freck heraus.
Philip K. Dick sagte über das Buch, es enthält die sowohl lustigste und die bitterste Szene, die er je geschrieben hat. Diese emotionale Kraft des Buches ist irgendwo im Film leider verschütt gegangen.
Das Parfum
by Su on Sep.27, 2006, under 5 min nach dem Film
Seit 16. September. Dass ein Geruchsroman in Frankreich spielt passt. Aufgewachsen an der französischen Grenze, weiss ich, dass Scherze über streng riechende Slips bis hin zum hardcore-aromatischen korsischen Käse selten negativ konnotiert sind. Schmutz und Gestank gehören zum Leben und in diesem Punkt ist der Film saftig triefend und explizit durch die Verwendung des Close. Liebt und suhlte man sich hingegen in der Komplexität des Roman, sieht man den Film zu einem gehörigen Teil wie eine Gedankenstütze zur eigenen Phantasie und den Gefühlen am Abgrund des Seelenlebens, die das Buch heraufzubeschwören vermochte. Zum Beispiel den Unterschied zwischen der komplett ‘dehydrierten’ Persönlichkeit des asozialen Grenouille und im Film – klar – da geht’s dann irgendwie doch um Liebe und fleischliche Orgie. Vielleicht fehlte der Mut, das Sujet wurde zuschauerkonform gemacht. Der Film ist gut, überrascht hat er nicht.
Elementarteilchen (D 2005 )
by inna on Jun.07, 2006, under 5 min nach dem Film
Den Roman von Michel Houellebecq komplett zu lesen, ist nicht einfach. Zu düster, zu krank. Um so spannender war dafür der Film.
Einerseits handelt es sich um eine fast alltägliche Geschichte von Männern, Frauen, Familie, Sex und Liebe, die umhaut. Gleichzeitig ist es die Skurrilität der Gestalten, ihres Treibens, ihrer Fobien und Manias, die reizt.
Irgendwie wird so bestimmt jeder Mensch unter der Lupe Gottes oder eines Houellebecqs oder Dostojewskijs, genau so gesehen werden. Nicht der Mensch ist seltsam. Die Lupe ist stark, und derjenige, der sie hält, ist ziemlich furchtlos.
Bei Verfilmungen hat man immer eine paradoxe Aufgabe, wie bei der Übersetzung von Gedichten. Soll man die Worte übersetzen oder die Form oder die Gefühle oder die Gedanken?
So ähnlich ist es beim Film: man lässt sich von dem Buch faszinieren und wird auf eine gewisse Weise zum Coautor. Man schreibt ein eigenes Buch im Kopf und danach kreiert man auch seinen eigenen Film.
Also muß man vielleicht auch so urteilen: hat man den Film vor Augen und das Buch im Kopf, oder mindestens im Hinterkopf, ergänzen die Bilder des Regisseurs den Geist des Schriftstellers. Wenn es nur so einfach wäre…
Aber mir ging es auf jeden Fall so: ich war zutiefst gerührt von der Schutzlosigkeit der Helden zueinander und dieses Gefühl wurde durch die Erinnerung an den Roman noch stärker.
Der Roman war so dunkel, so aussichtlos, so psychotisch und genau deswegen so gut geschrieben. Man glaubt, nicht unbeschadet bleiben zu können, wenn man ihn durchliest. Man macht das Buch also immer wieder zu und lebt weiter.
An dem Film konnte ich mich nicht satt sehen. So kraftvolle, saftige Gestalten mit so abartigem Geschmack zur Selbstdarstellung oder eben Antidarstellung. Die Schauspieler sind hervorragend — jeder hat ein Teil von sich selbst in die Rolle gelegt und das ist gut so.
Bruno (Bleibtreu) ist so farbenfroh, so erschreckend nah und irgendwie so altbekannt, dass es einen schaudert, wenn er wieder was Erschreckendes und Fieses tut.
Sind wir alle so? Jeder hat hin und wieder böse Gedanken. Die Grenze zwischen dem Denken und dem Tun ist erstaunlich durchsichtig…
Auch die gefallene Christiane (Gedeck) ist ein schauspielerisches Meisterwerk. Abgesehen davon, sieht sie bestialisch gut aus.
Die Geschichte, in der sich praktisch Jeder wiederfinden kann, ist, wenn man die sexuellen Exzesse wegnimmt oder dazugibt, sehr menschlich.
Zwei tolle, ziemlich gegensätzliche Männer: Bruno Klement, Lehrer und Möchtegern-Schriftsteller und Michael Djerzinskli, aufgehender Star in der Wissenschaft sind Halbbrüder und beide — vollkommene emotionelle Krüppel. Sie sind die Söhne einer echten Hippie-Mama. Die Frau Mutter kann man nur hassen und verachten, so gnadenlos wie sie mit den Gefühlen und dem Leben ihrer Kinder umgeht. Dabei “Sie wollte nur jung bleiben”, wie Michael an ihrem Sterbebett sagt. Vor allem im Roman, aber auch im Film, findet eine Abrechnung mit der Hippie-Generation statt.
Bruno ist auf dem steilen Weg nach unten, wie die Moralisten aus früheren Zeiten sagen würden. Er reicht seinem Baby eine Schlaftablette im Flächschen, damit er Ruhe zum Schreiben haben kann und onaniert auf den Aufsatz seiner Schülerin. Er lässt die Frau, die er liebt, im Stich und liefert sich selbst in die psychiatrische Anstalt ein. Sollte man Angst vor den Menschen haben oder vor allem vor sich selbst…?
Michael (Ulmen) ist auf den ersten Blick harmloser — er lebt nur für die Wissenschaft und ist mit Mitte-Ende Dreißig immer noch Jungfrau. Er entwickelt eine neue Theorie, die Fortpflanzung ohne menschlicher Beteiligung in Form vom Geschlechtsverkehr, ermöglicht. Michaels kalte Abweisung der existierenden Welt ist vielleicht noch erschreckender.
Brunos Hemmungslosigkeit ist mitreissend und lässt erschaudern. Es lässt uns auf unser eigenes Leben zurückblicken, um festzustellen, wie nah man an der Grenze zwischen Wahnsinn und Verbrechen kommen kann. Nicht nur der Generationskonflikt ist das Thema des Filmes, es ist der Mensch selbst, der schwach und stark sein kann, fies und mutig.
Dem Regisseur ist gelungen einen guten tiefsinnigen Film aus dem unerzälbaren Roman zu machen und sich dabei treu zu bleiben.
D 2005 Constantin Film
Regie und Drehbuch: Oskar Roehler
Besetzung: : Moritz Bleibtreu (Bruno), Christian Ulmen (Michael), Martina Gedeck (Christiane), Franka Potente (Annabelle), Nina Hoss (Jane), Uwe Ochsenknecht (Vater Bruno), Corinna Harfouch (Dr. Schäfer), Ulrike Kriener (Annabelles Mutter),
Dt.Start: 23. Februar 2006
Premiere: Februar 2006 (Berlinale, Deutschland)
Genre: Drama
Länge: 113 min
FSK: ab 12
Rendezvous
by Su on Apr.20, 2006, under 5 min nach dem Film
Kammerflimmern I / Deutschland, 2005
So kommentierte nach einer Pressevorführung ein gesetzterer Schreiberling etwas abfällig zum Veranstalter: “… maximal zweites Semester Filmhochschule”.
Ich fand Rendezvous packend. Auf eine schon fast trashige Art fies, pixelig unscharf, seltenen wird in Beziehungs- und Gesellschaftsdramen mit Worten schärfer geschossen Machwerk eines Independentfilms. An Bildschärfe und die Einstellungslängen muss man sich anfangs gewöhnen. Nach ein paar Fotzeleien zwischen den Ehepartnern ist das schnell vergessen, jede Szene dieses Kammerspiels intensiv. Wer Theater liebt, findet schnell Zugang. Im Sog des Films ist was die Schauspieler leisten wuchtig.
Mit: Lisa Martinek, Sven Walser, Tim Lang, Anika Mauer nach einem Theaterstück von Bob L. Sack, Debütfilm Alexander Schüler
Geschichte: Ehepaar trifft eher zufällig eines Freitag Abends in der gemeinsamen schicken Wohnung aufeinander. Jeder glaubt vom andern, er sei an diesem Tag nicht zu Hause. Beide hatten etwas anderes im Sinn ist klar. … zufällig kommt der beste Freund des Mannes vorbei
und so weiter. Rendezvous war nett gemeint …
Capote
by Su on Apr.17, 2006, under 5 min nach dem Film
Kinostart 2. März 06. Umstritten. Seine literarischen Werke und das vorliegende Biopic wecken mal Begeisterung (bei mir) oder stossen auf gähnendes Unverständnis. Truman Capote bleibt sich selbst im Tode treu. Der 5-fach Oscar©-nominierte und für den Besten Hauptdarsteller (Philip Seymour Hoffman) prämierte Film findet Liebhaber wie Gelangweilte bzw. stößt manchen ab aufgrund prätentiöser Divenhaftigkeit. Der Film ist braun – farblich – und es zieht sich eine gewisse Langeweile durch die zwei Stunden Geschichte. So mag sich die damalige Zeit angefühlt haben. Es geht um eine Phase, in der der Autor Capote zwar ein neues literarisches Genre (Tatsachenroman) schuf, jedoch an dieser mörderischen Geschichte (Trägheit der Recherche und dem Alkohol) emotional Schaden nahm. Guter Film.




