Posts Tagged ‘5 min nach dem Film’

JUD SÜSS – FILM OHNE GEWISSEN

Monday, August 30th, 2010

Jud Suess - Film ohne GewissenAb 23. September 2010

„Es ist nicht schlecht. Aber schrecklich.“
Zweimal werden dieses Zeilen gesprochen in dem beeindruckenden „JUD SÜSS – FILM OHNE GEWISSEN“ von Oskar Roehler, der immer brillanter wird. Zweimal geht es um die Propaganda-Kunst der Nazis. Der Schrecken steckt zwischen den Zeilen eines Drehbuchs und eines Kindergedichts.

Ein Teil deutscher Filmgeschichte ist, dass um 1939 der Schauspieler und Lebemann Ferdinand Marian unter anderem von Joseph Goebbels und Regisseur Veit Harlan vorgesehen war, den Prototyp eines Juden zu spielen im größten Propaganda-Film der Nazis „Jud Süss“. (more…)

A-TEAM

Monday, August 16th, 2010

Seit 12.08.2010 im Kino.
Homepage: www.myspace.com/das-A-Team
Serienerfolg aus den Achtzigern als Remake? Unter Mitarbeit eines der beiden Serienerfinder Stephen J. Cannell (mit Frank Lupo) hat es einige Jahre gedauert bis das Konzept von Regisseur Joe Carnahan das Produktionskonglomerat (u.a. dabei Tony und Ridley Scott) überzeugte und „A-Team“ fürs Kino verfilmt wurde. Das Team um Carnahan setzt auf den serien-bewährten Humor und den Teamspirit der 4 Helden mit den sehr unterschiedlichen Qualitäten: Planung, Charme, Berserkertum und Wahnsinn. Actiongehalt und Story sind Moderne. (more…)

BAL – HONIG

Wednesday, August 4th, 2010

BAL - HONIG Verleih Piffl MedienAb 9. September im Kino
Einige Previews vor Filmstart:
12.8.2010 München, City Kino, im Rahmen der Filmkunst-Wochen
17.8.10 Nürnberg, Sommer Nacht Film Festival, Open Air
21.8.10 Wuppertal, Talflimmern, Open Air
21.8.10 Erlangen, SommerNachtFilmFestival, Open Air
01.9.10 Kirchheim/Teck, Sommernachtskino, Open Air
5.9.2010 Berlin im Freiluftkino Rehberge

Aktualisierte Preview-Termine auf der Website zum Film www.bal-honig.de, wo scheinbar gerade stündlich welche dazu kommen.

Semih Kaplanoglu aus dem türkischen Izmir gewann etwas überraschend die Berlinale 2010 mit „BAL – HONIG“, der Geschichte des sechsjährigen Yusuf, der mit seinen großen dunklen Augen einen ganzen Film trägt.
In den tiefen Wäldern Anatoliens lebt seine Familie vom Honig, den Vater Yakup aus hohen Bäumen holt. (more…)

INCEPTION

Sunday, August 1st, 2010

Seit 28.07.2010 protzt „Inception“ vom Meister des verschachtelten Plots Christopher Nolan im Kino. Es sind gigantische Bilder, tief im Menschen schlummernde Seelen-Motive, Spleens – die Protagonisten im Film selbst nennen es ‚reine Kreativität’, was sie erfinden. „Inception“ spielt mit Gedankengebilden, Träumen und (Unter-)Bewusstsein, und den dort vorhandenen Irrungen und Wirrungen ohne ins Kitschig-surreale abzudriften. Mit seiner Hauptfigur schafft Nolan einen neuen Prometheus-Typ, den Regisseur der Träume.

Im Gegensatz zu vielen Vorgängern erfrischend stellt Christopher Nolan’s Sci-Fi Vision keine Hightech-Apparaturen in den Mittelpunkt. Das Genie einiger Traum-Regisseure kreiert interdisziplinär Traumwelten für andere. Eine Jobbezeichnung ist Architekt, eine Straßenecke inklusive aller Details zu erschaffen seine Aufgabe. Dem Einfluss von Träumen, auch denen in „Inception“, kann man sich nur hinlänglich entziehen. Ein probates Mittel der Manipulation also. So erzählt die Story davon, die Entscheidung eines Menschen durch seine Träume zu beeinflussen, ohne dass es ihm bewusst wird. (more…)

MÄNNER AL DENTE (Mine vaganti)

Thursday, July 15th, 2010

Kinostart: 15. Juli 2010 – Der jüngste Sohn Tommaso Cantone kommt aus Rom zu Besuch und möchte seiner Familie reinen Wein einschenken über sein Leben. Wichtig ist ihm das im Hinblick auf das Erbe, die Leitung der Nudelfabrik, die sein Bruder Antonio gerade führt. Leider nutzt Antonio nun seinerseits die Gelegenheit und kommt Tommaso mit der eigenen Beichte zuvor. Der Familieneklat ist da, Padre Cantone regt sich fürchterlich auf, sein Sohn Antonio liebt Männer! Was wird man über die Familie reden! 
Als guter Sohn springt Tommaso ein und stellt seine Beichte hinten an. Es rumort, und Tommaso erhält die fällige Vitaminspritze erst als seine ‚neue Familie’ aus Rom vorbeizwitschert: Marco, Andrea, Davide und Massimiliano.
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EASY VIRTUE – EINE UNMORALISCHE EHEFRAU

Tuesday, July 6th, 2010

EASY VIRTUE -  EINE UNMORALISCHE EHEFRAUSeit 24. Juni 2010 im Kino. Nach Robert Altman’s grandiosem “Gosford Park” 2001 muss jede englische Gesellschafts-”Komödie” (wenn die Bezeichnung auf “Gosford Park” zutreffen soll, eine schwarzhumorige) einem harten Vergleich standhalten.

“Easy Virtue – eine unmoralische Ehefrau” von Stephan Elliott’s (“Pricilla – Königin der Wüste) braucht sich nicht zu verstecken. Charme, Attitüde und Plattitüden im Film sowie u.a. eine glänzende Jessica Biel sind sehenswert, und dass sich die Welt besonders englische Fallhöhen auf der Leinwand anschauen möchte, zeigt sich an guten Zuschauerzahlen. Die Story ist nach einem Stück von Noël Coward, das schon einmal (erfolglos) von Alfred Hitchcock 1928 verfilmt wurde.

Kurz zum Plot: Nach einem Aufenthalt in Südfrankreich bringt der junge John Whittaker (Ben Barnes) seine sehr attraktive und sehr amerikanische Ehefrau Larita (Jessica Biel) mit auf den gediegen englischen, elterlichen Landsitz. Die Familie, ganz vorne die Schwiegermutter Veronica (Kristin Scott Thomas), steht Larita’s feurigen Charakter und Stil eher ablehnend gegenüber, was durch einige peinliche Zwischenfälle in reine Ablehnung umschlägt. (more…)

GURU – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard

Thursday, June 24th, 2010

GURU - Bhagwan, His Secretary & His BodyguardKinostart: 23. September 2010. Absolut top! In „GURU – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard“ (offiz. Website) geht’s um die faszinierende Gestalt mit den lächelnden Glubschaugen, von der fast jeder Fotos kennt, und bei der man sich oft gefragt hat, wie er nun heißt? Wie war das damals mit den Hippies um Bhagwan, Osho, den sagenumwobenen Ashram in Poona oder den Sannyasins?

„GURU – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard“ dokumentiert die Geschichte um einen sehr bedeutenden Guru rein aus herrlich entrückten Originalbildern und mit 2 Interviewpartnern, wie sie besser nicht sein könnten. Sheela Silverman (Ma Anand Sheela), seine langjährige Sekretärin und Organisatorin der Kommune in Oregon (1981–1985), und Hugh Milne, des Gurus ehemaliger Leibwächter (more…)

DER FANTASTISCHE MR. FOX

Thursday, May 27th, 2010

Der Fantastische Mr. FoxKinostart: 13. Mai 2010 – www.derfantastischemrfox-derfilm.de

Bei Regisseur Wes Anderson darf man stets gespannt sein, was er sich als Nächstes ausdenkt. Seine Filme The Royal Tenenbaums, Die Tiefseetaucher oder Darjeeling Limited sind erfrischend anders. Letztendlich ist das Interessante, dass jeder Kinozuschauer seinen eigenen Favoriten unter Anderson’s Filmem hat und dazu eine spezielle Meinung. Das ist schon viel.
Die Stärke von Wes Anderson sind seine etwas eigenen Sujets gepaart mit einer großen Liebe zum Filmemachen und den Menschen, Erleuchtung inklusive. Nach oben genannten Realfilmen ist bei “Der fantastische Mr. Fox” nun Puppentrick an der Reihe! Was als alleinige Tatsache reicht – denn wie selten sieht man diese aufwendige Filmarbeit noch im Kino – um sich diesen Film anzugucken. Und: er ist tierisch gut! (more…)

IRON MAN 2

Tuesday, May 11th, 2010

Der galanteste Superheld des Marvel Universums erklimmt die Kino-Charts und ist ziemlich gut. Ein solider Teil 2. Solide, weil nicht so pointiert und gewitzt wie der geniale IRON MAN Teil 1. Ist aber auch schwer ranzukommen (offizielle Website: ironman2-derfilm.de).

Alle Welt erfuhr Ende Film Teil 1, dass der brillante Größenwahnsinnige und Egozentriker Tony Stark (Robert Downey Jr.) die ultimative Kampfmaschine IRON MAN verkörpert und erschaffen hat. Nach ein paar Jahren Höhenflug, am Anfang von IRON MAN 2, fehlt Tony Stark der (innere) Antrieb. Die Brennzelle in seiner Brust macht Probleme – Abnutzungserscheinungen. (more…)

Waltz with Bashir

Monday, June 29th, 2009

Relativ neu auf DVD und ein Tipp ist “Waltz with Bashir”! Er erzählt von der Suche nach Kriegsbildern Schrägstrich Wahrheiten. Stilisiert kann der Trickfilm von Unmenschlichkeit erzählen – eine unerträgliche Wahrheit filtern.
Die Story: Ein ehemaliger israelischer Soldat erinnert sich an ein Massaker im Libanonkrieg (1982 in Beirut), besser gesagt, er hat die schrecklichen Bilder aus seinen Träumen verdrängt. Nur eine verklärende Szene ist geblieben. Um weiterzukommen, besucht er seine Kameraden von früher, um sie nach ihren Erinnerungen zu befragen. So gelingen verschiedene Perspektiven auf eine Kriegsrache (mehr bei wikipedia) und eine Wahrheit wird ausgesprochen, die nur eigentlich nur Sprachlosigkeit hinterlassen kann. Der Filmemacher Ari Folman geht dabei seinen eigenen Erlebnissen nach und sammelt Interviews, die dann von Trickfilmzeichnern überarbeitet wurden. “Waltz with Bashir” wird als animierter Dokumentarfilm bezeichnet und ist ein großartiges Zeitdokument !!

Website mit Trailer

Star Trek XI

Wednesday, May 13th, 2009

Wer hätte das gedacht. Der neue Star Trek macht richtig Spaß. Gute Action, gute Story, sehr gute Darsteller… eine runde Sache. Der beste seit langem!!! Ob diese neue, hurtig beschwingte Mache von Star Trek allerdings bei den erzkonservativen, eingeschworenen Trekkies ankommt, steht in den Sternen!!!

Fazit: Guter Kinostoff für Fans und Anfänger!

Gran Torino

Sunday, March 22nd, 2009

Seit 05.03.09 in Kino. Witziger als erwartet, ist Clint Eastwoods neuer. Die Story um einen kautzigen, amerikanischen Korea-Kriegsveteran, dem die Gegenwart eine Nachbarschaft voll Schlitzaugen beschert, klang ja leicht nach Magenbitter. So ‘fremdelt’ Walt Kowalski am Anfang des Filmes auch recht heftig. Da er im Grunde aber eher was gegen Kriecher und Arschlöcher im Allgemeinen hat, macht ihn das im Laufe des Films sympathischer. Walt ist ein bissiger alter Hund, der seine Ruhe will (und einen schönen Ausblick von seiner Veranda).Einer aus der guten alten Zeit, wofür der Gran Torino (ein alter Ford) steht. Walt ist aber auch ein nicht zu unterschätzender Krieger…. und das macht einige Situationen im Film schön brenzlig und spannend. Regisseur Clint Eastwood hat’s dabei drauf sein Image “cool siegt über uncool” zum Thema zu machen. Der erste Joke des Films auf der Beerdigung von Frau Kowalski irritiert noch etwas und ist der Anfang einer Orgien von wüsten Beschimpfungen, die keine Ethnie oder Minderheit verschont. Und im Grunde zeigt, was einen richtigen Gewinnertypen auszeichnet, ein integrer Mensch zu sein. Kowalski, der von Eastwood selbst gespielt wird, wandelt sich und übernimmt schließlich im Film u.a. die Erziehung seines Nachbarskind Tan zu einem richtigen Mann. Und siegt schließlich über die Ungerechtigkeit, die er bekämpft, und über sich selbst.

thegrantorino.com – englische Website

wwws.warnerbros.de/grantorino – deutsche Website

Burn after reading

Wednesday, October 15th, 2008

Burn after reading – warum der Film diesen Titel trägt, kann ich nur erahnen. Dreh- und Angelpunkt der Story ist tatsächlich eine selbstgebrannte CD, die unvermittelt in einem Fitnessstudio auftaucht. So viel kann man hier glaub ich verraten, ohne dem Film allzu doll vorzugreifen. Ansonsten ist der Streifen herrlich erfrischend, ohne Moral, ohne Sinn und auch ohne “kartasischen” Reinigungseffekt – und eben gerade deswegen erfrischend. Im Gegensatz zu “Fargo”, der noch annähernd so etwas wie eine moralische Komponente hatte (für die Guten – schwangere Komissarin – wird alles gut, die anderen kommen irgendwie unter), fehlt diese hier tatsächlich völlig. Es gibt kein Gut und Böse und auch die Story ist bereits nach einer halben Stunde nur noch schwerlich innerlich zu rekapitulieren. Spielt auch eigentlich keine Rolle. Am Ende geht alles irgendwie aus. Und lustig ist der Film! Ich habe an einigen Stellen herzhaft gelacht. Empfehlung: Auf jeden Fall angucken (wenn möglich im Original, aber ohne mU).

Krabat

Monday, September 29th, 2008

(Intro:
Als ich vorletztes Wochenende zum ersten Mal den idyllischen Spreewald besuchte, da musste ich irgendwann über die Teufelgeschichten schmunzeln. “Krabat”, der eine sorbische Sage nacherzählt, hatte ich schon vor einigen Wochen gesehen und da geht’s ja auch um Teufelswerk. Wie beim Spreewald, der entstand als dem Teufel der Ochsenkarren durchging. Das stelle man sich so vor, dass teilweise nur kniehohe Kanäle eine Art Delta ergeben. Wie in Venedig wird man im Boot durch die Landschaft gestakst. Der Blick auf eine Karte und es wird klar, wie die Sage zustand kam. Die Sorben siedelten auf jeden Fall in der Lausitz, wo auch “Krabat” spielt.)

Zum Film:
Ab 9. Oktober flattern schwarze Raben über ein Jammertal des Dreißigjährigen Krieges und unsere Kinoleinwände. Die sorbische Krabat-Sage hatte es Otfried Preußler von Kind an bis zu seiner Jugendbuchveröffentlichung 1971 angetan. Und nachdem er “Der Räuber Hotzenplotz” zügiger fertig bekam, entstand nach mehreren Versuchen “Krabat”. Ein Buch, das auf den Lehrplänen deutscher Schulen zu finden ist.

Darin wird der Waisenjunge Krabat (David Kross, bekannt aus “Knallhart”) von einem Traum in die geheimnisvolle Schwarze Mühle im Koselbruch gelockt, wo er mit anderen Lehrlingen bei einem strengen Meister (Christian Redl) in die Ausbildung geht. Hartes Handwerk wird dort gelehrt, aber auch schwarzmagische Zauberei, die alle Mühlenbewohner schicksalhaft zusammenschweißt.
Krabat freundet sich mit Tonda (Daniel Brühl) an und als der sich gegen den Meister wendet, ist Krabats Mut gefragt, um das Geheimnis der Schwarze Mühle zu lüften und sich für die helle Seite der Macht zu entscheiden.

Die Verfilmung unter der Regie von Marco Kreuzpaintner (“Sommersturm”, “Trade”) macht aus der schön düsteren Geschichte einen Fantasy-Historien-Schinken. Groß angelegt ist der (Specialeffekts-) Spuk, Platz für Lokalkolorit und die Härten der Lebens bleiben trotzdem im Film. Das Staraufgebot an deutschen Gesichtern ist beachtlich – neben den genannten auch Robert Stadlober und Paula Kalenberg – und die geben “Krabat” das, was ein moderner Film braucht, dass man den Schauspielern die Geschichte abnimmt.

Erschien mir der Film etwas zu tragend, so denke ich doch, dass sich “Krabat” genrespezifisch im internationalen Vergleich nicht verstecken braucht. Ich finde ihn interessanter als die Narnia-Filme. Weil auch nicht so speziell kindlich. Die Krabat-Sage vermittelte Erwachsenwerden, den Umgang mit Macht, eigene Entscheidungen treffen und Gut von Böse zu unterscheiden. Parallel wird der Film als Lehrmaterialie für Schulen angeboten, da können sich die Schüler aufs Interpretieren freuen. Meine Schulnote für “Krabat”: eine nicht enttäuschende 3+.

Website:
www.krabat-derfilm.de

Blog zum Film:
www.krabat-blog.de

Der Baader-Meinhof-Komplex

Thursday, September 25th, 2008

Es beschleicht mich, als jemand der Ende der 60er geboren wurde, ein merkwürdiges Gefühl der Vertrautheit beim betrachten des Films. Irgendwie kennt man das alles noch. Die Fahndungsplakate der 2. und 3. Generation der RAF, die überall in Banken, der Post sogar bei unserem kleinen Bäcker um die Ecke hingen. Wie bei Adventskalendern wurden immer mehr Gesichter durchgestrichen… zehn kleine Negerlein.

Plötzlich bin ich wieder der kleine Junge, der in den Nachrichten irgendwie mitbekommt, dass gerade so etwas wie Geschichte passiert. Der sich plötzlich wieder an die Odyssee der Landshut erinnern kann und den ersten großen Auftritt der GSG9(, sogar an den Überfall auf die Deutsche Botschaft in Stockholm. Da war ich sechs!) Eine kollektive Aufgeregtheit war allgegenwärtig, aber irgendwie war es auch normal, dass es Terroristen in Deutschland gab, man ist damit aufgewachsen, wie nächste Generationen mit einem Bundeskanzler Kohl. Es war irgendwie normal, dass regelmäßig Bankiers erschossen, Bombenanschläge verübt, Arbeitgeberpräsidenten entführt wurden. Polizisten oder Zollbeamte mit MPs waren normal! Das Bild Hans Martin Schleyers hat sich kollektiv ins Bewusstsein meiner Generation eingebrannt, obwohl wir damals nicht wirklich wussten, was in unserem Land los war.

Und sieht man die Bilder des Films, der fulminant mit der Schah-Demonstration 1967 beginnt, sieht wie die Polizei daneben steht während bezahlte Pro-Schah-Demonstranten auf Passanten eindreschen, wie die Polizei Studenten und Demonstranten schließlich auf Pferden vor sich herknüppeln, denkt man leise bei sich: So lange ist das noch gar nicht her.

Der Baader-Meinhof-Komplex hält, was er in den ersten Minuten verspricht. Er ist keine verklärende RAF-Schmonzette wie “Baader” (2002) aber auch keine Verurteilung der RAF, er ist ein einfühlsam brutales und offenes Zeitdokument, das keine Partei ergreift, das aufzeichnet, wie so etwas entstehen kann… so ein Terrornetzwerk, das irgendwann nicht mehr kontrollierbar ist, weder durch den Staat als noch durch seine vermeintlichen Gründer. Der Film zeichnet dazu ein Psychogramm des inneren Kerns der ersten Generation der RAF… Das Faust-Zitat von den Geistern, die ich rief, kann glaubhaft und glaubwürdig auf alle Seiten angewandt werden. Der Film lässt still werden, schockt durch die Logik, die Selbstverständlichkeit und die Brutalität der Ereignisse, diesseits und jenseits des Gesetzes. Man hat es mit Menschen zu tun, auf allen Seiten!

Das alles ist jedoch auch und vor allem möglich, weil der Film ohne Pathos und ohne pathetische Schauspieler auskommt. Man kauft Bleibtreu und Co ihre Figuren nicht nur ab, sie sind es, alle, jeder einzelne! Auch der besonnene Herlod Bruno Ganz, dem Drehbuchautor Bernd Eichinger und/oder Buchautor Stefan Aust Visionäres in den Mund legt!!!

Und so ist der Baader-Meinhof-Komplex keine Guido-Knoppsche-Doku, sondern ein zeitlos aktueller Film darüber, wie Terror entsteht, darüber, dass Gewalt unkontrollierbar und deshalb kontraproduktiv ist, darüber, dass die Globalisierung und Terrornetzwerke keine Erfindung der 90er sind, und dass ein Staat äußerst behutsam und vorsichtig mit seinen Bürgern umgehen muss!!! Und vor allem auch darüber, dass das alles hier in Deutschland vor noch gar nicht all zu langer Zeit Realität war… viele haben das offensichtlich schon wieder vergessen!

Der Baader-Meinhof-Komplex wird zu einem öffentlichen Diskurs führen… hoffentlich über die Gegenwart und damit über die Zukunft… und nicht die Vergangenheit!

Der Baader-Meinhof-Komplex ist kein Unterhaltungsfilm, er macht keinen Spaß (wenn man lacht, dann bitter) und er ist doch absolut sehenswert. Eine Reise in die (eigene Vergangenheit), die einen gewaschen, geschnitten, geföhnt und durchgemangelt wieder in Gegenwart ausspuckt!!!