9to5 – days in porn

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe kein besonders entspanntes Verhältnis zu Pornographie. Genauer gesagt finde ich Pornographie ziemlich abstoßend. Daran hat dieser Film nicht viel geändert. Ich finde Pornographie nicht besser oder schlechter als vorher, habe aber einige (mehr oder weniger) interessante Dinge über die Menschen erfahren, die in diesem Metier arbeiten.

Der Film an sich bezieht jedoch meiner Meinung nach nicht richtig Stellung. Das kann eine Stärke oder eine Schwäche sein, ich persönlich finde es eher eine Schwäche, denn bei so einem polarisierenden Thema hätte ich gerne einen festen Standpunkt des Erzählers – also des Regisseurs – gesehen (gleichzeitig ist es bei genau so einem Thema natürlich besonders schwierig, einen neutralen Standpunkt rüber zu bringen). Was mir nicht gefallen hat war, WIE der Film dies gemacht hat: Auf der einen Seite werden die fröhlichen Pornodarsteller gezeigt, die sich Sperma aus dem Haar wischend erzählen, wie großartig ihr Leben ist und wie zufrieden und glücklich sie sind, während im Hintergrund einem 18-jährigen Mädchen mit einem Baseballschläger der Anus geweitet wird. Gleichzeitig gibt es immer dann, wenn es für den unbedarften Zuschauer droht, zu eklig zu werden, einen Cut und es wird die andere Seite der Medaille gezeigt, die dann wieder abbilden soll, dass eben doch nicht alles so locker fluffig ist, wie die Darsteller uns glauben machen wollen (damit auch die Moralischen unter den Zuschauern – so wie ich – sich denken “siehste, hab ich’s doch gewusst!”). Diese Masche war mir leider ein wenig zu platt, ein bißchen mehr Differenziertheit und weniger Plattitüden hätte ich mir gewünscht. Ansonsten eine schöne Freak Show. Warum der Film ab 16 frei gegeben ist, erschließt sich mir nicht, denn es gibt m.E. doch einige ganz schön heftige Szenen (und es werden errigierte Schwänze gezeigt!!!). Aber ich bin auch ein sensibles Gemüt.

Wie eingangs erwähnt finde ich Pornographie nach wie vor eklig und abstoßend, aber eins kann man nicht leugnen: Sie ist ein Mainstream-Phänomen. Gäbe es keine Menschen, die solche Filme nachfragen, würden sie auch nicht produziert werden. Und das finde ich viel schlimmer als die Pornographie an sich: Die Doppelmoral in unserer Gesellschaft. In der gängigen gesellschaftlichen Meinung (vor allem in Amerika) ist Porno verpönt, dennoch ist Porno ein Massenphänomen. Jeder Spießer schaut Leuten bei den abartigsten Praktiken vor dem heimischen Fernseher zu, aber wehe, die eigene Tocher zieht los, um ihr Geld damit zu verdienen.

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