How to Cook your Life

“Du bist, was du isst” klingt nach dem Titel eines Ratgebers der Bundesregierung zur brandaktuellen die-Deutschen-sind-zu-dick-Debatte. Gleichsam ist es eine zutreffende Metapher innerhalb des Erlebnishorizonts des Zen-Buddhismus und ein Zitat aus “How to Cook your Life. Wie man sein Leben kocht.”. Doris Dörrie hat über Leben und Essen einen Dokumentarfilm gemacht, der am 10. Mai in Deutschlands Kinos anlief, und in seinem Protagonisten, einem Zen-Priester und -Lehrmeister, ein mögliches Rezept für Work-Life-Balance vor dem Herd beziehungsweise am Herd des Geschehens als Übertrag zum Leben findet:

Edward Espe Brown ist Autor berühmter Zen-Kochbücher, Küchenchef eines legendären Restaurant in San Francisco und Lehrer in namhaften buddihistischen Zentren in den USA und Europa. Das klingt nach einem Menschen, der über Essen und den Umgang mit Lebensmitteln in absoluter Ruhe philosophieren kann und das bescheren dem Zuschauer die bunten und das alltägliche Sehgefüge kontrapunktierenden Bilder über Zen – die totale Entschleunigung nämlich. Wirklicher Genuss beim Zusehen stellt sich nach etwas Filmzeit ein, Doris Dörrie fügt “Wie man sein Leben kocht” ohne viel Dogma zusammen und das funktioniert.

Auf ihrer Suche nach dem “Du bist, was du isst” trifft sie andere Menschen wie die ‘Besitzerin einer Hintertür-Catering-Companie’, eine Amerikanerin, die seit zwei Jahren kein Essen mehr käuflich erwirbt. Die Filmemacherin kehrt immer wieder zurück zum kochenden Zen-Priester, dem sie beim Nachdenken und Lehren in Zen-Seminaren zuhört. Daher gehört ein bestimmtes Interesse am Thema Zen zum vollwertigen Genuss dazu. Dann gelingt Doris Dörrie ein schöner und erkenntnisreicher Dokumentarfilm, der eine besondere Lebenseinstellung zeigt, und der sich wie alle Filme dieser aufgeweckten Autorin ganz nahe am Puls der Zeit bewegt.
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