Full Metal Village – Sung-Hyung Cho
by Su on Apr.18, 2007, under Interviews
Von Schlitzaugen und Langnasen
Mit “Full Metal Village” gewann zum ersten Mal ein Dokumentarfilm den diesjährigen Max Ophüls Preis, den Hessischen Filmpreis und den Schleswig-Holstein Filmpreis. Regisseurin Sung-Hyung Cho portraitiert das Leben im schleswig-holsteinischen Dorf Wacken, in das einmal im Jahr Musikfans aus der ganzen Welt zum Heavy Metal Festival einfallen (W:O:A). Der Film zeigt Bauern und Dorfbewohner, und wie sie sich mehr oder weniger symbiotisch mit einem Ausnahmezustand arrangieren.
Umgesetzt von einer gebürtigen Südkoreanerin, die schon einige Zeit hierzulande lebt, mutet deutsche Heimatkunde einvernehmend heiter, amüsant und skurril an. Trailer Kinofinder
Am 19. April ist deutscher Kinostart.
Interview mit Sung-Hyung Cho Berlinale, 18.02.2007
Ihr Auftreten ist offen, klar und ehrlich und ihre Antworten sind witzig. Schnell trifft man sich mit ihr auf einer menschlichen Ebene. Wie prädestiniert also für die Erforschung menschliches Lebens. Es ist der letzte Tag der Berlinale 2007 und Regisseurin Sung-Hyung Cho geizt nicht mit Auskünften über die eigene Gemütslage. An jenem Abend wird noch die Premiere von “Full Metal Village” vor einem großen internationalen Publikum stattfinden. Ist sie aufgeregt? “Viel schlimmer ist die Müdigkeit,” und einer lässigen Handbewegung: “im Gegenteil, das wird für mich sehr spannend in der Vorstellung zu sitzen und die Reaktionen mitzukriegen.”
?Der Ursprung von “Full Metal Village” war ein Foto in der Zeitung. Was war drauf?
Sung-Hyung: Junge, gut aussehende Männer mit langen Haare und freiem Oberkörper – Bierbäuche hätten mich nicht interessiert. (Schmunzeln) Mit ihren schwarzen Lederhosen, den schweren Gürteln und den vielen Nieten standen sie entspannt in einer Schlange vor einer sehr brav aussehenden Kassiererin mit Perlenohrringen, die ziemlich eingeschüchtert wirkte. Für mich war das ein Sinnbild für einen Clash of Culture und das interessierte mich.
?Weil das bei dir auch so ist oder war?
Sung-Hyung: Bei mir ging das eher subtil und leise vonstatten, nicht so pur. Trotzdem ist es das, was ich erlebe. Mein Clash of Culture dauert jetzt 17 Jahre seit ich mit 23 Jahren aus Südkorea hierher kam. Irgendwann wollte ich auch lieber wieder weg aus Deutschland.
Die Fremdheit bleibt ODER ich bleibe immer ein Schlitzauge und werde nie eine Langnase. Dieses wirklich Existentielle im Leben, das ist mein Thema. Es war mir wichtig, das in meinem Film zu zeigen.
?Weshalb wolltest du nach Deutschland?
Sung-Hyung: Wir in Südkorea wissen sehr viel über Deutschland und Europa. Das wird hier mächtig unterschätzt. Wir lernen über die alten Griechen, über Musik und Literatur. Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Deutschland und die USA waren die beliebtesten Studienorte. Ich als eher links eingestelle Studentin wollte lieber nach Deutschland, denn die USA standen damals schon für den Kapitalismus. Auf einem benachbarten Campus haben die Studenten damals sogar die amerikanische Flagge verbrannt. Ich wollte ins Ausland, weg von Korea und in Ruhe studieren.
?In “Full Metall Village” portraitierst du ein spezielles Stück Deutschland. Hast du neue Erkenntnisse gewonnen?
Sung-Hyung: Ganz andere. Bis dahin dachte ich eher in Dimensionen wie traurig, psychisch gestresst, lange Gesichter, ein bisschen muffig und die können nicht feiern. Ausländer denken so über Deutschland. In Wacken war alles anders. Die waren sehr nett und treu. Ich habe alltägliche Freundlichkeit erlebt, Freude, keine Zurückhaltung. Beim Bäcker morgens traf ich lustige Damen, die grüßten, voll Verständnis waren und gerne ein Schwätzchen hielten. Anfangs dachte ich allerdings, ich sei im Ausland, weil ich Plattdeutsch nicht verstand. Ich denke jetzt anders über regionale Unterschiede: im Saarland ist es nett, Hessen ist okay, Berlin ist die Hölle. Ich bin hin und weg von Wacken.
?Gehst du denn diesen Weg weiter, hast du ein neues Filmprojekt?
Sung-Hyung: Ja. Es wird um Heimatgefühl gehen, viel mehr weiss ich noch nicht. Heimat ist für mich Südkorea.
?Was solle man wissen über Süd-Korea?
Sung-Hyung: Im Vergleich zu Deutschland ist es gar nicht so anders. Ähnliches Klima und wir haben sehr gutes, vielfältiges Essen. Ansonsten wird deftig und lustig gefeiert. Wir Asiaten können herrlich albern sein auch ohne Alkohol.
?Wie sieht es in Sachen Kinokultur aus, wen und was muss man kennen?
Sung-Hyung: Regisseur Chan-wook Park und sein aktueller Film “Sympathy for Lady Vengeance” (lief Anfang 2007 als Arthouse-Film in Deutschland). Der Regisseur hat auch “Cyborg” realisiert, der auf der Berlinale lief.
?Du beschreibst Landschaft und Leute in “Full Metal Village” mit einer ganz eigenen Poesie. Worum ging es dir?
Sung-Hyung: Ich beobachte nur. Die Geschwindigkeit im Film ist bis zum Beginn des Wacken Festivals langsam. Denn bei den Milchbauern gibt es keine Hektik, Zeit zum Schwätzen ist da. Ich lebe in Hessen im Taunus, weshalb mir auffiel, dass die einzige vertikale Betonung der Landschaft in Wacken die Hügel der Weidäcker sind, eine weite Landschaft, das saftige Gelb der Kornfelder, schöne Hügel mit weißen Wolken. Wie exotisch und schön ist ein Reetdach von dem Regentropfen fallen. So etwas kannte ich vorher nicht. Dazu im Kontrast steht das Heavy Metal Festival am Ende des Films. Das ist es wie ich “Full Metall Village” sehe. Ich versuche nie meine Lebensphilosophie in einen Film zu pressen.
?Du arbeitest sonst als Cutterin.
Sung-Hyung: Ja und sehr gerne und mit der Regie zum Full Metal Village ist ein Werk entstanden, nach dem ich ernsthaft gesucht habe.
?Und Hobbys?
Sung-Hyung: Ich bin ein Arbeitstier und brauche immer etwas, was mich total beschäftigt. Wie jeder andere habe ich bestimmte Interessen, doch die ändern sich. Als ich zum Studium nach Deutschland kam, hatte ich Fragen nach Identität, Kosmos, Erkenntnis. So beschäftigte ich mich mit Kunstgeschichte, Philosophie und Medienwissenschaften. Ich liebe Kino. Früher war ich beschäftigt als Platzanweiserin in einem Kino und bis heute ist es so, dass ich einmal die Woche ins Kino gehe. Kino nicht DVD, das hat eine ganz eigene Gewichtung, denn es ist ein Erlebnis mit anderen zusammen.
Nach dem Studium wollte ich endlich selbst was machen. Neben eigenen Ausstellungen schrieb ich als Journalistin für koreanische Zeitschriften. Meine neue Leidenschaft ist, mit Menschen zu tun zu haben und wenn ich Filme mache, erlebe ich mich ganz anders. Dann bin ich ein ruhiger, sanftmütiger Mensch. Ich kann sagen, ich erlebe mich als guten Menschen, wenn ich drehe.
?Magst du den Rummel, der gerade um dich herrscht?
Sung-Hyung: Es ist eine große Anerkennung und die hat mich wirklich gerührt. Ich freue mich für alle Dokumentarfilmer und die AG Dok, denn ein Festivalgewinn wie beim Max Ophüls Preis verschafft uns politisches Gewicht und ist eine gute Werbung. Gerade gebe ich drei bis vier Interviews am Tag, das ist für mich total viel. Nicht nur die Filmwelt will mit mir reden, auch die Schleswig-Holsteinische Presse und viele Heavy Metal Fans berichten über den Festivalerfolg. Ich kriege Post wie “Thank you for your support”. Ich möchte noch sagen, die wenigen Heavy Fans, die ich kennengelernt habe, sind sehr freundliche, höfliche und friedliche Menschen, die demütig in einer Schlange stehen. Aggression gibt es da nur in der Musik.
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Festival News » Archiv » Wacken: Full Metal Village
April 28th, 2007 on 11:09 am[...] http://cinemazine.de/?p=198 http://www.hdschellnack.de/?p=1875 http://www.shinipedia.de/?p=122 http://florianhartmann.de/weblog/?p=23 http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/376978 http://schoener-denken.de/blog/?p=54 http://www.peterulrich.net/blog/index.php/full-metal-village [...]
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Film: Full Metal Village (So macht Landwirtschaft Spaß) (2007/D) « miezes welt
July 10th, 2009 on 3:48 am[...] Bildquelle: hier [...]







May 23rd, 2007 on 3:29 am
Toller Film. Die ruhige Art des Films, die so schön zu den gezeigten Charaktären passt, zog mich sehrin das Gefühlsleben der Protagonisten, ein sehr schönes Portrait dieser Menschen mit dem Nebenschauplatz des Wacken Open Air. Wobei das Festival auch so aussah, als ob da einiges an Spass zu erwarten wäre.
July 9th, 2007 on 7:27 pm
Die gezeigten Charaktere und deren Dialoge sind teilweise wirklich sehenswert. Wer auf Filme im Dokumentarstil steht, der wird auch hierbei sicherlich seinen Spaß haben. Alles in allem fand ich den Film zwar gelungen aber würde ihn mir kein zweites Mal ansehen.
March 19th, 2010 on 2:02 pm
Отлично сделали блог, есть чему начинающим поучиться. Молодцы.
March 20th, 2010 on 2:15 pm
Оболденно ты придумал, главное что все элементарно.
March 29th, 2010 on 4:46 am
Который раз уже убеждаюсь в том, что много клонов тут.
April 6th, 2010 on 2:11 pm
Тоже верно, хотя многие бы не согласились.