Kinostart: 15. Juli 2010 – Der jüngste Sohn Tommaso Cantone kommt aus Rom zu Besuch und möchte seiner Familie reinen Wein einschenken über sein Leben. Wichtig ist ihm das im Hinblick auf das Erbe, die Leitung der Nudelfabrik, die sein Bruder Antonio gerade führt. Leider nutzt Antonio nun seinerseits die Gelegenheit und kommt Tommaso mit der eigenen Beichte zuvor. Der Familieneklat ist da, Padre Cantone regt sich fürchterlich auf, sein Sohn Antonio liebt Männer! Was wird man über die Familie reden!
Als guter Sohn springt Tommaso ein und stellt seine Beichte hinten an. Es rumort, und Tommaso erhält die fällige Vitaminspritze erst als seine ‚neue Familie’ aus Rom vorbeizwitschert: Marco, Andrea, Davide und Massimiliano.
Zitat: „Wenn du immer das machst, was die anderen sagen, ist dein Leben nichts wert.“ Die Konstellation: italienische Familie, Pastafabrikanten aus Lecce, ein charmanter Ort für eine Art Familienaufstellung. Der Regisseur: Ferzan Ozpetek gebürtig aus Istanbul. Mit 20 Rom besucht und seither in Italien geblieben. Sein bekanntester Film „Haman – das türkische Bad“ (1996). Vorangestellt ist seinem Film die Widmung „a mio padre“. Seine Verarbeitung: komödiantisch.
Ferzan Ozpetek spickt seinen Film mit kleinen witzigen Anekdoten bei reichlich Charakteren: Da sind Vater und Mutter Cantone, die die Tatsachen verdauen müssen, eine Tante mit vielen Lebenselixieren und die Großmutter mit melancholischen Erinnerungen. Die Tochter Elena, die bei dem Drama Zeit findet, sich zu emanzipieren. Die perfekte geschäftliche Partie, wenn denn Tommaso Frauen lieben würde, Alba Brunetti, mit der er sich glänzend versteht.
Doch: wo die Liebe hinfällt, wie das Leben spielt?
Und als der Film etwas durchhängt, kommen die lebensfrohen und absolut überzeugenden Boys aus Rom vorbei, um Tommaso beizustehen.
Überbordend zeigt sich der Film in einigen Szenen, in denen Musik zusammen mit Schauspielkunst – reine Geschmackssache – etwas zu lange ihre Wirkung entfalten dürfen (Ferzan Ozpetek verwendet besondere Sorgfalt auf die Musik. Der Soundtrack ist sicher super.). Wirklich schwer wiegt das nicht. Die Orte sind malerisch. Die Schauspieler charismatisch. Die Seelenlagen vielschichtig. Eine einfallsreiche Komödie, die gesellschaftliche Menetekel anspricht und damit hoffentlich zur Auflösung beiträgt. Zitat: „Den Mund halten ist viel anstrengender als die Wahrheit sagen.“ Ist aber auch leichter gesagt als getan.
Männer al dente
Originaltitel: Mine vaganti
Ein Film von Ferzan Ozpetek
116 Minuten / Italien 2010 / 1:2.35 Cinemascope / Dolby SRD
mit Riccardo Scamarcio, Nicole Grimaudo, Alessandro Preziosi, Ennio Fantastichini, Lunetta Savino, Elena Sofia Ricci, Ilaria Occhini, Daniele Pecci u.v.m.
Verleih: Prokino
„Männer al dente“ lief zum Beispiel im Berlinale Panorama 2010.
Den Soundtrack ist erschienen bei Universal Music.
Mine Vaganti (Männer Al Dente) bei amazon.de
Tags: 5 min nach dem Film

