FASTEN AUF ITALIENISCH
by c-laudia on Jul.17, 2011, under 5 Minuten nach dem Film
Nachdem ich das Wochenende davor Almanya gesehen hatte, habe ich mir letzten Montag “Fasten auf Italienisch” (L’Italien) angesehen, denn ich dachte, das reiht sich da vielleicht ganz gut ein. Der Film ist okay, aber ich hatte mir offen gesagt etwas mehr davon erhofft. Ich hatte auf so etwas wie wie das Französische Pendent zu Almanya gehofft, das ist es jedoch leider nicht.
Worum es geht: Dino Fabrizzi (Kad Merad – u.a. “Willkommen bei den Sch’tis“) ist erfolgreicher Verkäufer bei Maserati, seit einem Jahr glücklich in einer Beziehung zu Helené (Valérie Benguigui) und auch sonst ist in seinem Leben eigentlich alles in Butter. Die Sache hat nur einen Haken: Dino Fabrizzi ist eigentlich Mourad Ben Saoud. Um es im Alltag leichter zu haben, hat sich der Algerisch-stämmige Mourad einfach eine zweite Identität als lebenslustiger Italiener zugelegt. Das hat auch ganz gut funktioniert, bis Mourads Vater ernsthaft erkrankt und Mourad ihm verspricht, für ihn den Ramadan zu halten.
Was folgt ist eine Mischung aus Almanya und Louis de Funès, mit leider ein wenig zu viel Louis de Funès. Almanya hatte mich mit seiner Emotionalität und der unaufdringlichen Art, in der hier eine gesellschaftliche Botschaft rüber gebracht wird, sehr beeindruckt. Das ist bei “Fasten auf Italienisch” leider gar nicht der Fall. Die politische Botschaft ist direkt “in your face”. Das ist in Ordnung, aber eben nicht sonderlich raffiniert oder emotional ansprechend.
Dass der Höhepunkt des Filmes ist, dass Mourad in Algerien ins Gefängnis geht, weil er sich weigert, seine wirkliche Identität Preis zu geben und mit seiner Familie klar Schiff zu machen, ist dann doch ein wenig sehr stark an den Haaren herbei gezogen. Auch Mourads Kollege und Konkurrent bei Maserati ist ein wenig das Abziehbild des dummen, unreflektieren, rassistischen Franzosen.
Allerdings hat der Film auch einige extrem witzige Momente: Z.B. wenn Mahmut mit seinem Buch “Islam für Dummies” den Iman besucht, um mit ihm über den Ramadan zu sprechen. Überhaupt ist der Iman Abdel (Karim Belkhadra) die großartigste und witzigste Figur des ganzes Films, finde ich; vielleicht, weil man sich einen Iman eben alles andere, nur nicht witzig vorstellt. Das gros der Gags in “Fasten auf Italienisch” ist mir jedoch zu klamaukig und zu sehr klassische Verwechslungskomödie, und das hat man schon zig Male gesehen.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass in beiden Filmen (Almanya und Fasten auf Italienisch) weniger mit Klischees gespielt wird, als ich es erwartet hatte. Beide Filme setzen der Humorlosigkeit, die allgemein in den deutschen Medien (besonders seit Sarrazin) mit dem Islam in Verbindung gebracht wird, ein sehr schönes, anderes Bild entgegen. Und auch wenn diese Bilder in beiden Fällen auf eine fiktive Geschichte zurück gehen, versuche ich doch, mich bezeiten an sie zu erinnern, wenn die deutschen Medien wieder über Ehrenmorde und kriminelle arabischen Großfamilien berichten.
Deutsche Webseite: http://www.fasten-auf-italienisch.de/
L’Italien
Frankreich 2010, ca. 102 min.
Regie: Olivier Baroux
Drehbuch: Olivier Baroux, Jean-Paul Bathany u.a.
mit: Kad Merad, Valérie Benguigui u.a.
Deutscher Kinostart: 13.01.2011
Verleih: Arsenal





