LE HAVRE

by on Jul.08, 2011, under 5 Minuten nach dem Film

Aki Kaurismäki ist ein bisschen soft geworden. In seinem neuen Film LE HAVRE sind (fast) alle Menschen gut, und alles wird auch gut, obwohl laut der kranken Arletty (berührend Kati Outinen, insbesondere, wenn sie französisch spricht) in ihrem Viertel keine Wunder geschehen.

Kurz zur Story. Marcel Marx (André Wilms) ist ein ehemaliger Autor und Bohemian, der jetzt zurück gezogen und leise mit seiner Frau Arletty und der Hündin Laika in Le Havre lebt und sich seinen bescheidenen Lebensunterhalt als Schuhputzer verdient. Kaurismäki ist ansonsten seiner Handschrift treu geblieben. Er zeigt Menschen mit bemerkenswerten Fressen in einem brökelnden Lebensumfeld, das von Melancholie durchzogen ist. Le Havre könnte auch in der Ukraine liegen, würden die Menschen nicht ihren Wein in einer Bar Tabac trinken und über Essen schwatzen.

In Marcels Leben platzt durch Zufall ein junger afrikanischer Flüchtling, hinter dem die Polizei, verkörpert durch den misanthropischen Kommissar Monet (Jean-Pierre Darroussin), her ist. Marcel möchte nicht, dass Idrissa (Blondin Miguel) abgeschoben wird und wird nochmal politisch aktiv. Mutig zeigt der Film die beschämenden provisorischen Flüchtlingslager in Frankreich, die Marcel besucht, um die Familie von Idrissa zu finden. Er sitzt alle Hebel in Bewegung, um den Jungen zu retten, die Bewohner seines herunter gekommenen Quartiers helfen kräftig mit. Beinah kriegt Marcel gar nicht mit, dass seine zwischenzeitlich an Krebs erkrankte Frau dem Tod gerade noch von der Schippe springt.

LE HAVRE ist poetisch, politisch und voller galgigem Humor. Und weil die Hoffnung doch als letztes stirbt und weil man in so viele gute Seelen spähen darf, verzeiht man dem Film seine Tendenz zur Weichspülerei.

LE HAVRE
Finnland, Frankreich, Deutschland 2011, 93 Minuten
Buch und Regie: Aki Kaurismäki
Mit André Wilms, Kati Outinen, Blondin Miguel, Jean-Pierre Darroussin, Elina Salo, Kuoc-Dung Nguyen, Evelyne Didi, Pierre Étaix, Jean-Pierre Léaud und Laika
Kinostart: 8. September 2011
Verleih: PANDORA Filmverleih

http://www.aki-kaurismaeki.de/


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