DAS SCHMUCKSTÜCK (POTICHE)
by mo. on May.25, 2011, under 5 Minuten nach dem Film
Die Komödie DAS SCHMUCKSTÜCK (2010) von François Ozon führt uns zurück in das Jahr 1977, als die Fronten noch klar waren. Es gab die Bürgerlichen und die Kommunisten, es gab die Arbeiter und die Fabrikbesitzer (entweder Arschlöcher oder gütige Patriarchen, aber auf keinen Fall austauschbaren Geschäftsführer internationaler Finanzkonzerne), und es gab die Ehemänner und die Ehefrauen.

Susanne Pujols (Catherine Deneuve) Rolle im Leben scheint am Anfang sehr klar. Sie ist die wohlhabende Gattin des cholerischen Chefs einer Regenschirmfabrik, von ihm nicht ernst genommen und regelmäßig betrogen, die sich ihr Leben verschönt, indem sie Rosen züchtet, Gedichte schreibt und Zwiegespräche mit Eichhörnchen führt. Ihre Tochter Joelle sagt ihr, durchaus mit einiger Verachtung, „Du bist doch nur ein Schmuckstück!“
Dieser erste Teil des Films, der in die Situation einführt, ist wirklich gelungen. Wie Madame Pujol in einem markanten roten Jogginganzug durch den Wald rennt und mit einem verklärten Lächeln Rehe, Vögel und Hasen mit einem „oooh“ begrüßt, lässt an Bambis ersten Spaziergang denken, große Augen, kleine Seufzer inbegriffen. Auch die Diskussionen mit dem Herrn Gemahl (Fabrice Luchini), überzogen wie in einem Louis den Funes-Film, sind herrlich.
Die Arbeiter der Regenschirmfabrik beginnen einen Streik, Monsieur bricht zusammen und wird für einige Monate in den Genesungsurlaub geschickt – Madame Pujol übernimmt die Firma. Ab hier wirkt der Film gelegentlich etwas abgedroschen und klamaukig. Schon alleine, wie Madame Pujol mit Perlenketten und Nerzjäckchen zu den ersten Verhandlungen in die Firma rauscht („Ich habe mich extra für die Arbeiter zurecht gemacht. Sie sollen doch wissen, wofür sie gearbeitet haben!“) und dann doch alle Herzen gewinnt, weil sie wie eine Mutter für ihre Malocher-Kinder eintritt. Am Ende mutiert sie gar zu Schmonzetten singenden Politikerin, das ist schon sehr dick aufgetragen.
Gérard – der Wal – Depardieu besetzt eine interessante Nebenrolle. Er liebt diese Marie Antoinette der Neuzeit, trotzdem er der kommunistische Bürgermeister ist. Und wie wir feststellen müssen, hat Madame ihre Zeit auch nicht nur mit Sticken verbracht. Die Revue der möglichen Väter von Sohn Laurent ist zwar ganz lustig, doch macht es sie genauso zur Heuchlerin, wie ihren Mann. Einer Komödie schadet das nicht, es mindert aber den gesellschaftskritischen Ansatz des Films. François Ozon bleibt seinem Fokus auf starke Frauen treu und hat mit dem Schmuckstück wieder einen Film der schrilleren Sorte geschaffen. Catherine Deneuve kann man übrigens in der Rolle nur lieb gewinnen, obwohl sie sich stellenweise so steif bewegt, als hätte sie Angst, dass ihr Lifting verrutscht.
Web: www.schmuckstueck-derfilm.de
DAS SCHMUCKSTÜCK
Regie: François Ozon
mit Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Fabrice Luchini, Karin Viard, Jérémie Renier, Judith Godrèche
Länge: 104 Minuten
Kinostart: 24. März 2011
Concorde Filmverleih





June 4th, 2011 on 13:11
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