SNOW CAKE

by on Jan.28, 2011, under 5 Minuten nach dem Film

Ganz überraschend sah ich, dass dieser Film, der schon seit Monaten auf meiner “To watch”-Liste steht, gestern Abend im Fernsehen lief (Arte). Leider 15 Minuten zu spät (der Film lief schon) schaltete ich ein. Was für ein wunderschöner, leiser Film! Ich weiß gar nicht, wo ich mit Schwärmen anfangen soll – bei der Story, den Schauspielern, den Bildern?

Fangen wir mal den Schauspielern an: Sigourney Weaver spielt eine Autistin. Erst einmal: Großen Respekt davor, sich überhaupt an so eine Rolle heran zu trauen. Aber, nicht nur das: Sie ist darin auch noch umwerfend gut!
Als nächstes: Alan Rickman (auch bekannt als Professor Snape aus Harry Potter): Eigentlich jemand, den ich sowieso anschmachte (allein wegen seiner Rolle als Snape), aber in dieser Rolle ist er absolut hinreißend! Er spielt einen Engländer, der vor nicht allzu langer Zeit aus dem Knast entlassen worden ist. Er nimmt eine Anhalterin mit, und bei einem Autounfall stirbt diese. Jene Anhalterin Vivienne ist eben genau die Tochter von Linda, der Autistin.
Last but not least gibt sich Carrie-Anne Moss (bekannt als Trinity in Matrix) als Lindas hübsche Nachbarin mit Hang zur Polygamie mit den beiden ein Stelldichein.
So weit, so gut – oder auch nicht, klingt das bisher beschriebene Setting doch nach einem äußerst düsteren und “anstrengenden” Film – zumal wenn man bedenkt, dass der Film im kalten Kanada spielt. Aber weit gefehlt! Der Film ist wunderbar leicht, und das nicht zuletzt durch die tollen Bilder und immer wieder komischen Momente, die Linda aufgrund ihres Autismus provoziert.

Als ich in den Film einstieg, befand sich Alex gerade auf dem Revier um anschließend Linda aufzusuchen, mit dem Ziel, sich bei ihr für Viviennes Tod zu entschuldigen. Als Alex an Lindas Tür klingelt, reagiert diese äußerst merkwürdig und wiegelt ihn innerhalb weniger Minuten noch an der Tür ab. Es macht den Eindruck, als würde ihr der Tod ihrer Tochter nicht im geringsten nahe gehen, sie scheint kein bißchen traurig. Alex bleibt jedoch hartnäckig und schafft es tatsächlich, von Linda ins Haus gebeten zu werden (was, wie wir Zuschauer später erfahren werden, keineswegs selbstverständlich ist). Es ist ihm klar, dass etwas mit Linda nicht stimmt, allerdings ist auch er durch den Unfall noch stark traumatisiert und verwirrt. So ergibt es sich, dass er kurze Zeit später als Übernachtungsgast in Lindas Haus endet.

Für Linda ist Schnee das größte. Sie liebt Schnee und Schneeflocken in allen Formen und Materialen, und am meisten liebt sie es, sich den Mund voll Schnee zu stopfen und mitzuerleben, wie dieser darin schmilzt, so dass sie ihn als Wasser trinken kann. Sie fragt Alex, ob dieser schon einmal einen Orgasmus gehabt habe. Als dieser mit “Es kam vor” antwortete, entgegnet sie ihm (frei übersetzt): “Vivienne hat mir davon erzählt. Es hört sich an wie eine minderwertige Version dessen was ich empfinde, wenn ich den Mund voll Schnee habe!”

Da Alex sich für den Viviennes Tod verantworltich fühlt und ihr deshalb etwas zurück geben will, macht er kurz darauf einen Deal mit Linda, der vorsieht, dass Alex Vieviennes Beerdigung organisiert und dafür bis zum Dienstag darauf in Lindas Haus bleiben darf. Der Dienstag muss es deshalb sein, da Alex für Linda den Müll hinaus bringen soll – was sie aufgrund einer mit ihrem Autismus zusammenhängenden Sauberkeitsmanie selbst nicht kann.

Schon am Anfang seines Aufenthalts bei Linda freundet sich Alex mit der Nachbarin Maggie an, die von Linda jedoch keines Blickes gewürdigt wird. Aus einer flüchtigen Zaunbekanntschaft wird innerhalb kürzester Zeit ein Abendessen, und noch vor dessen Ende eine Liebesaffäre. Klingt nach vorprogrammierten Problemen? Gar nicht! Regisseur Marc Evans schafft es sogar, einen Nebenbuhler Alex’, von dem nichts Gutes auszugehen scheint, so in die Geschichte einzubinden, dass nicht die üblichen Rache-Eifersuchts-Verstrickungs-Katastrophen daraus resultieren.

Am Ende des Films, nach Viviennes Beerdigung, muss Alex Linda und Maggie dennoch verlassen. Es fällt ihm nicht leicht, aber es ist sein Weg, und er ist an diesen wenigen Tagen ein anderer Mensch geworden. Vielleicht kauft er sich ja auch tatsächlich eine neue Brille!

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