CONTROL
by c-laudia on Jul.25, 2009, under 5 Minuten nach dem Film
Was für ein großartiger Film! Ich mochte Joy Division schon immer, wusste, dass der Sänger gestorben war, aber nie, unter welchen Umständen und weshalb und vor allem – so jung!!! Eigentlich wusste ich überhaupt nichts über Joy Division außer, dass sie eine britische Band aus den 80ern sind aus denen sich später New Order formiert hat.
Der Film basiert auf der Autobiografie von Ian Curtis Frau, Deborah Curtis, “Touching from a distance”. Ian und Deborah haben sehr, sehr jung geheirat, vermutlich um der Öde des eigenen Elternhauses zu entkommen. Der junge Ian arbeitet als Angestellter beim Arbeitsamt, als er anfängt, mit der Band “Warsaw” (die sich später in “Joy Division” – angeblich nach der Prostituierten Divison der deutschen Armee im zweiten Weltkrieg – umbenennen sollte) Musik zu machen. Nach kurzer Zeit wird bei Ian Epilepsie diagnostiziert und er muss anfangen, Medikamente dagegen zu schlucken. Anfälle auf und außerhalb der Bühne werden immer häufiger. Gleichzeitig fängt er eine Affäre mit der Belgierin Annique an, die er trotz mehrmaligen Anläufen nicht schafft, zu beenden.
Was mir an dem Film so gut gefallen hat war, dass gar nicht mal so sehr der Aufstieg und Fall von Joy Division im Vordergrund des Filmes standen, sondern die verschiedenen inneren Konflikte, in denen Ian gefangen ist. Im Film wird dies so dargestellt, als sei der Hauptkonflikt seine Ehe mit Deborah, einem einfachen, pummeligen, englischen Kleinstadtmädchen, in der er so etwas wie den “sicheren Hafen”, die treue Seele, die ihm immer zur Seite steht, die Familie sieht – und die gleichzeitige Affäre mit der hübschen, gebildeten, weltgewandten, selbstständigen und intelligenten Annique. Und obwohl Ian sein Doppelleben nicht lange geheim halten kann, gelingt es ihm nicht, die Affäre mit Annique zu beenden. Eine weitere Ursache seiner zunehmenden Depressionen ist seine Epilepsie, die im Verlauf der Geschichte schlimmer wird und gegen die so richtig kein Kraut gewachsen zu sein scheint. Am Ende möchte Ian aufgrund seiner Krankheit nicht mehr auftreten, schafft es aber auch hier nicht, seinen Entschluss konsequent durchzuziehen. Da Ian sich außerstande sieht, sich aus diesen Konflikten zu befreien, wählt er am Ende den Freitod.
Für mich persönlich deshalb ein sehr bewegender Film, da der Grundkonflikt zwischen den zwei Lebenswelten des Ian Curtis, die im Film durch die beiden Frauen Deborah und Annique repräsentiert sind, nicht lösbar erscheint. Ich denke, jeder Mensch lebt immer in mehreren Lebenswelten gleichzeitig, und je konträrer diese sind, desto weniger lassen sie sich miteinander vereinbaren und desto mehr leidet das Individuum darunter. Für Ian Curtis ist dieser Druck, sowie die Enttäuschung darüber, sich trotz mehrmaliger Versuche nicht für den einen oder anderen Weg entscheiden zu können, offenbar so groß, dass er nicht mehr aushaltbar ist.
Ein klassisches Drama, wie Goethe es nicht besser hätte erdenken können.




