Archive for September, 2008
Krabat
by su on Sep.29, 2008, under 5 Minuten nach dem Film
(Intro:
Als ich vorletztes Wochenende zum ersten Mal den idyllischen Spreewald besuchte, da musste ich irgendwann über die Teufelgeschichten schmunzeln. “Krabat”, der eine sorbische Sage nacherzählt, hatte ich schon vor einigen Wochen gesehen und da geht’s ja auch um Teufelswerk. Wie beim Spreewald, der entstand als dem Teufel der Ochsenkarren durchging. Das stelle man sich so vor, dass teilweise nur kniehohe Kanäle eine Art Delta ergeben. Wie in Venedig wird man im Boot durch die Landschaft gestakst. Der Blick auf eine Karte und es wird klar, wie die Sage zustand kam. Die Sorben siedelten auf jeden Fall in der Lausitz, wo auch “Krabat” spielt.)
Zum Film:
Ab 9. Oktober flattern schwarze Raben über ein Jammertal des Dreißigjährigen Krieges und unsere Kinoleinwände. Die sorbische Krabat-Sage hatte es Otfried Preußler von Kind an bis zu seiner Jugendbuchveröffentlichung 1971 angetan. Und nachdem er “Der Räuber Hotzenplotz” zügiger fertig bekam, entstand nach mehreren Versuchen “Krabat”. Ein Buch, das auf den Lehrplänen deutscher Schulen zu finden ist.
Darin wird der Waisenjunge Krabat (David Kross, bekannt aus “Knallhart”) von einem Traum in die geheimnisvolle Schwarze Mühle im Koselbruch gelockt, wo er mit anderen Lehrlingen bei einem strengen Meister (Christian Redl) in die Ausbildung geht. Hartes Handwerk wird dort gelehrt, aber auch schwarzmagische Zauberei, die alle Mühlenbewohner schicksalhaft zusammenschweißt.
Krabat freundet sich mit Tonda (Daniel Brühl) an und als der sich gegen den Meister wendet, ist Krabats Mut gefragt, um das Geheimnis der Schwarze Mühle zu lüften und sich für die helle Seite der Macht zu entscheiden.
Die Verfilmung unter der Regie von Marco Kreuzpaintner (“Sommersturm”, “Trade”) macht aus der schön düsteren Geschichte einen Fantasy-Historien-Schinken. Groß angelegt ist der (Specialeffekts-) Spuk, Platz für Lokalkolorit und die Härten der Lebens bleiben trotzdem im Film. Das Staraufgebot an deutschen Gesichtern ist beachtlich – neben den genannten auch Robert Stadlober und Paula Kalenberg – und die geben “Krabat” das, was ein moderner Film braucht, dass man den Schauspielern die Geschichte abnimmt.
Erschien mir der Film etwas zu tragend, so denke ich doch, dass sich “Krabat” genrespezifisch im internationalen Vergleich nicht verstecken braucht. Ich finde ihn interessanter als die Narnia-Filme. Weil auch nicht so speziell kindlich. Die Krabat-Sage vermittelte Erwachsenwerden, den Umgang mit Macht, eigene Entscheidungen treffen und Gut von Böse zu unterscheiden. Parallel wird der Film als Lehrmaterialie für Schulen angeboten, da können sich die Schüler aufs Interpretieren freuen. Meine Schulnote für “Krabat”: eine nicht enttäuschende 3+.
Website:
www.krabat-derfilm.de
Blog zum Film:
www.krabat-blog.de
Der Baader-Meinhof-Komplex
by lx on Sep.25, 2008, under 5 Minuten nach dem Film
Es beschleicht mich, als jemand der Ende der 60er geboren wurde, ein merkwürdiges Gefühl der Vertrautheit beim betrachten des Films. Irgendwie kennt man das alles noch. Die Fahndungsplakate der 2. und 3. Generation der RAF, die überall in Banken, der Post sogar bei unserem kleinen Bäcker um die Ecke hingen. Wie bei Adventskalendern wurden immer mehr Gesichter durchgestrichen… zehn kleine Negerlein.
Plötzlich bin ich wieder der kleine Junge, der in den Nachrichten irgendwie mitbekommt, dass gerade so etwas wie Geschichte passiert. Der sich plötzlich wieder an die Odyssee der Landshut erinnern kann und den ersten großen Auftritt der GSG9(, sogar an den Überfall auf die Deutsche Botschaft in Stockholm. Da war ich sechs!) Eine kollektive Aufgeregtheit war allgegenwärtig, aber irgendwie war es auch normal, dass es Terroristen in Deutschland gab, man ist damit aufgewachsen, wie nächste Generationen mit einem Bundeskanzler Kohl. Es war irgendwie normal, dass regelmäßig Bankiers erschossen, Bombenanschläge verübt, Arbeitgeberpräsidenten entführt wurden. Polizisten oder Zollbeamte mit MPs waren normal! Das Bild Hans Martin Schleyers hat sich kollektiv ins Bewusstsein meiner Generation eingebrannt, obwohl wir damals nicht wirklich wussten, was in unserem Land los war.
Und sieht man die Bilder des Films, der fulminant mit der Schah-Demonstration 1967 beginnt, sieht wie die Polizei daneben steht während bezahlte Pro-Schah-Demonstranten auf Passanten eindreschen, wie die Polizei Studenten und Demonstranten schließlich auf Pferden vor sich herknüppeln, denkt man leise bei sich: So lange ist das noch gar nicht her.
Der Baader-Meinhof-Komplex hält, was er in den ersten Minuten verspricht. Er ist keine verklärende RAF-Schmonzette wie “Baader” (2002) aber auch keine Verurteilung der RAF, er ist ein einfühlsam brutales und offenes Zeitdokument, das keine Partei ergreift, das aufzeichnet, wie so etwas entstehen kann… so ein Terrornetzwerk, das irgendwann nicht mehr kontrollierbar ist, weder durch den Staat als noch durch seine vermeintlichen Gründer. Der Film zeichnet dazu ein Psychogramm des inneren Kerns der ersten Generation der RAF… Das Faust-Zitat von den Geistern, die ich rief, kann glaubhaft und glaubwürdig auf alle Seiten angewandt werden. Der Film lässt still werden, schockt durch die Logik, die Selbstverständlichkeit und die Brutalität der Ereignisse, diesseits und jenseits des Gesetzes. Man hat es mit Menschen zu tun, auf allen Seiten!
Das alles ist jedoch auch und vor allem möglich, weil der Film ohne Pathos und ohne pathetische Schauspieler auskommt. Man kauft Bleibtreu und Co ihre Figuren nicht nur ab, sie sind es, alle, jeder einzelne! Auch der besonnene Herlod Bruno Ganz, dem Drehbuchautor Bernd Eichinger und/oder Buchautor Stefan Aust Visionäres in den Mund legt!!!
Und so ist der Baader-Meinhof-Komplex keine Guido-Knoppsche-Doku, sondern ein zeitlos aktueller Film darüber, wie Terror entsteht, darüber, dass Gewalt unkontrollierbar und deshalb kontraproduktiv ist, darüber, dass die Globalisierung und Terrornetzwerke keine Erfindung der 90er sind, und dass ein Staat äußerst behutsam und vorsichtig mit seinen Bürgern umgehen muss!!! Und vor allem auch darüber, dass das alles hier in Deutschland vor noch gar nicht all zu langer Zeit Realität war… viele haben das offensichtlich schon wieder vergessen!
Der Baader-Meinhof-Komplex wird zu einem öffentlichen Diskurs führen… hoffentlich über die Gegenwart und damit über die Zukunft… und nicht die Vergangenheit!
Der Baader-Meinhof-Komplex ist kein Unterhaltungsfilm, er macht keinen Spaß (wenn man lacht, dann bitter) und er ist doch absolut sehenswert. Eine Reise in die (eigene Vergangenheit), die einen gewaschen, geschnitten, geföhnt und durchgemangelt wieder in Gegenwart ausspuckt!!!
Babylon A.D.
by lx on Sep.15, 2008, under 5 Minuten nach dem Film
Neulich im Kino:
War gestern in Babylon A.D. Prima Film! Geil war, dass im Kino ausschließlich Vin Diesel Fans saßen, die einen Vin Diesel Film erwartet haben. Der Schluss hat sie dann etwas überfordert. Das Pärchen neben mir im O-Ton: Sie: “Oh, das do hann ich jetzt net verstann!” (dt.: Oh, das habe ich jetzt nicht verstanden!) Er: “Da gibt’s bestimmt nen 2. Teil!” Ganz großes Kino! Man hat’s richtig rattern gehört.
Wall-E
by su on Sep.13, 2008, under 5 Minuten nach dem Film

Im Kino ab 25. September. Was für ein Spaß! Bei “Presto“, dem Vorfilm über einem hungrigen Hasen, der die Show seines Besitzers, eines Zauberkünstlers, sprengt, überfallen einen die ersten Lacher über die furiosen Späße von Pixar. Die Qual der Comicfiguren, eine wahre Freude.
Dann räumt Wall-E auf unserer total zugeschrotteten, menschenleeren Erde auf. Der letzte Roboter baut Türme aus gepresstem Schrott, sammelt sich sein kleines Menschheitsmuseum-Ersatzteillager zusammen und lernt neugierig aus Fernsehaufzeichnungen etwas, was es auf der Erde irgendwann mal gab: Emotionen – aus einem Musical.
Als ein hypermodernes Raumschiff Eve, eine Roboterdame, die alles abscannt und Bodenproben nimmt, absetzt, hat Wall-E seine Partnerin gefunden, der er bis auf ihre Raumstation folgt.
(continue reading…)
Aaltra
by su on Sep.10, 2008, under 5 Minuten nach dem Film
Ein Publikumspreis und die Teilnahme bei internationalen Festivals liessen mich dieses unverständliche und (meiner Meinung nach) komplett unkomische Werk ausleihen. Irgendwo mag Aaltra zynisch sein, wie einige Pressestimmen behaupten, und politisch unkorrekt, na ja, das geht schärfer. “Das ultimative Rollstuhl-Movie” ist die einzige Bezeichnung, die zutrifft, aber nur mangels Alternativen. Kein Tipp, sondern ödes Zeittotschlagen. Aki Kaurismakis lakonische Charaktere haben mehr Biss, nicht nachzuvollziehen, dass er sich damit schmückt.
http://www.aaltra.de/
Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra
by su on Sep.03, 2008, under 5 Minuten nach dem Film
Vor einiger Zeit als internationaler Roman-Erfolg ganz oben auf den Bestsellerlisten kommt am 11.9.08 die Verfilmung von Roberto Savianos “Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra” in die deutschen Kinos. Der mit dem Großen Preis von Cannes ausgezeichnete Film aus Italien ist realistisch inszeniert und handelt vom kriminellen Clangeschäften: Drogenhandel, Müllentsorgung oder dem Geschäft mit Designermoden. “Ich habe ein Angebot für dich, dass du nicht ausschlagen kannst.”, so drückt es der ‘Pate’ der Filmgeschichte aus. Glaubt man dem Film, läuft es in die Realität nicht viel anders ab. Bei dieser Art Geschäfte geht es ums Überleben.
Die semifiktionale Erzählung, die in den Regionen Neapel und Caserta spielt, und für die der Romanautor wegen Morddrohungen unter Polizeischutz steht, beschreibt einzelne Personen im Netz des ‘Systems’. Im sozialen Brennpunkt Scampìa, wo sich zwei Banden bekriegen, geraten der 13-jährige Totò, der ‘Buchhalter’ Don Ciro, der Schneider Pasquale und ein Halbstarken-Duo zwischen die Fronten. Denn Arbeit gibt es nur innerhalb des ‘Systems’.
Über den Film schreibt der 1979 in Neapel geborene Romanautors Saviano: ?Im Prinzip unterscheidet sich das Zuschauen im Kino nicht wirklich vom Leben im Gebiet der Camorra und anderswo. … Aber nur hier kann man ‘Scarface’ sein. Das allerdings bis zur letzten Konsequenz.“
Karg, hart und drastisch wirken die Bilder, die Regisseur Matteo Garrone für “Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra” eingefangen hat. Er schildert das, was auf Italienisch nur das ‘System’ genannt wird, die Funktionsweisen der verschiedenen Clans der Camorra (Neapel und Umland), Cosa Nostra (Sizilien) oder Ndrangheta (Kalabien). Im Epilog stellt er dem eine mörderische Statistik und glänzende Umsätze entgegen (Handelsvolumen 150 Milliarden Euro im Jahr). Ein Totentanz. Sehenswert!
>> Italien 2008; R: Matteo Garrone; D: Toni Servillo, Gianfelice Imparato, Maria Nazionale, Salvatore Cantalupo u.v.m.; V: Prokino
>> Start: 11. Septeber 2008
>> www.gomorrha-derfilm.de/




