Pingpong
by su on Nov.16, 2006, under 5 Minuten nach dem Film, Interviews
Dt. Kinostart: 16. Nov 06. Der Mikrokosmos hat seine Tücken. Der Debütspielfilm von Matthias Luthardt wurde mehrfach ausgezeichnet unter anderem in Cannes und München mit Drehbuch-, Autoren- und Kritikerpreisen. Als Apéritif zum Film ein Interview mit Regisseur Matthias Luthardt und Darsteller Sebastian Urzendowsky über Frankreich, Vorbilder und Naturtalente:
Was sagst du zum Label “französischer Film”?
Matthias Luthardt: Es klingt nicht schlecht, das über meinen Film zu hören. Ich assoziiere damit glaubwürdige Charakterstudien und einen eleganten Erzählstil.
Es gibt auch Leute, die, wenn sie “französischer Film” hören, an viel Dialoge und wenig Handlung denken. Das trifft meiner Meinung nach auf “Pingpong” nicht zu.
Was magst du an Frankreich?
Matthias: Die Sprache, Kultur und (lächelt) … die Patisserie. Dass Kino als fester Bestandteil der Kultur betrachtet und gefeiert wird und in der Kunst weniger der Unterschied zwischen U und E gemacht wird, wie es in Deutschland der Fall ist.
Dein Film erzählt die Geschichte eines Sommerurlaubs. In dieser Abgeschiedenheit entstehen Konflikte?
Matthias: Ich wollte ein Kammerspiel machen und mich auf wenige Figuren konzentrieren. Das Setting – Haus, Garten, Wald, Sommer – war für mich der Rahmen, innerhalb dessen ich die Figuren in ihrem Alltag beobachten kann. “Pingpong” zeigt eine Welt, die ich kenne, über die ich erzählen kann und die ich im deutschen Kino selten sehe: die scheinbar heile Welt der akademischen Mittelschicht.
Über dich steht zu lesen, dass du in Lyon Wenders und Fassbinder studiert hast? Warum nicht in Deutschland?
Matthias: In Lyon gab es umfangreiche Wenders- und Fassbinder-Retrospektiven, die mich neugierig macht auf das Land, dem ich den Rücken zugekehrt hatte. Diese Filme spiegeln etwas sehr Deutsches wider. Vielleicht ist das aus der Ferne besser zu ertragen? Fassbinder und Wenders haben mit wenigen Mitteln viel Wirkung erzielt. Beiden ist es gelungen, ohne formale Spielereien eine eigene, atmosphärisch dichte Welt zu schaffen, die sehr viel über die Deutschen, ihre Ängste und ihre Sehnsüchte erzählt.
Was schlummert da Böses in deinem Film “Pingpong”?
Matthias: Ich denke nicht in den Kategorien Gut und Böse. Schon eher an die Widersprüchlichkeiten in jedem von uns. Mich interessiert kein moralisches Urteil, sondern die emotionale Wirkung auf den Zuschauer.
Sebastian, hast du vergleichbare Dinge erlebt wie sie dir im Film widerfahren?
Sebastian Urzendowsky: In der Kategorie: nein. Ich würde sagen, ich habe ein paar Sachen erlebt, die nicht ganz einfach waren. Aber nichts in der Härte wie im Film.
Wie hast du es geschafft, dich da reinzudenken?
Sebastian: Schwer zu erklären, wie man da rankommt. Wenn es dafür ein Rezept gäbe, dann wär’ ich vielleicht ganz dankbar, aber dann hätte es auch keinen Reiz. Ich weiss es nicht.
Warum wolltest du mitmachen?
Sebastian: Das Drehbuch war spannend und intensiv.
Bist Du ein Naturtalent?
Sebastian: Ich kann mir doch nicht selber auf die Schulter klopfen und sagen, ich bin ein Naturtalent. Das wär’ zu seltsam!
>> Deutschland 2005, R: Matthias Luthardt, D: Sebastian Urzendowsky. Marion Mitterhammer, Clemens Berg, Falk Rockstroh
>> www.pingpong-film.de






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July 30th, 2011 on 18:19
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