Mañana al Mar – Anke Jungfleisch

by on Sep.23, 2006, under Interviews

Über die Lust einen Dokumentarfilm zu machen

Mit “Mañana al Mar”, der am 28. September startet, findet ein witziger, lebensbejahender Film seinen Weg ins Kino. Der diesjährige Ophüls-Dokumentarfilmpreisträger wurde produziert von Anke Jungfleich. Sie ist Mitinhaberin von gop03, einer Filmproduktionsfirma im Berliner Prenzlauer Berg, und es ist nicht zu übersehen, Anke wird bald Mutter.

Mañana al Mar - Anke Jungfleisch

?Wie sieht dein Job als Producerin eines Dokumentarfilms aus?
Jungfleisch: Zuerst bekommen wir ein Treatment oder ein Exposé zu lesen, je nachdem mit was die Autoren vorbei kommen. Darin versuchen wir eine spannende Geschichte zu entdecken. Wenn wir denken, es könnte auch andere interessieren, greifen wir uns den Stoff, überarbeiten ihn mit den Autoren zusammen und versuchen ihn finanziert zu kriegen.

?Ist aus einem Treatment rauszulesen, welche Themen interessant sind?
Jungfleisch: Welche Filme funktionieren und welche nicht, sieht man erst, wenn die Filme fertig sind. Manchmal ist das Thema gar nicht so spannend, aber der Film total toll. Mich muss ein Stoff “irgend wie’ packen, mich faszinieren, da müssen Emotionen greifen, dann kommt die Lust es machen zu wollen.

?Wo liegt der grundlegenden Unterschied zwischen einer Spiel- und einer Dokumentarfilmproduktion?
Jungfleisch: Spielfilmproduktionen sind weitaus kostspieliger und aufwendiger vor allem in Bezug auf Menschen und Material, das zu aquirieren und zu verwalten ist. Schauspieler kosten ziemlich viel Geld, während die Protagonisten bei einem Dokumentarfilm meistens umsonst sind. Wir arbeiten in viel kleineren Teams, benötigen kein großes Licht-Equipment, kein Bühnenbild, keine Szenografie. Natürlich werden beim Dokumentarfilm Absprachen getroffen, doch das ist kein Vergleich zum Spielfilm.

?”Mañana al Mar”, die sportlichen Rentner am Strand von Barcelona, das Thema klingt interessant und ein bisschen ungewöhnlich. Hat es direkt gefunkt, als du darüber gelesen hast?
Jungfleisch: Ich kannte die Filme der Regisseurin Ines Thomsen bereits. Sie hatte mit meiner Partnerin bei gop03, Christin Meyer, einen Film gemacht, in dem es um Paulina, die Badenixe aus “Mañana al Mar”, ging. Eine Affinität zum Thema war also da.

?Wie ging es dann weiter?
Jungfleisch: Auch wenn Dokumentarfilme machen nicht so aufwendig ist wie ein Spielfilm, so ist es doch langwierig. Man sieht das an “Mañana al Mar”. Wir haben uns 2003 gegründet, das war der erste Film, den wir begonnen haben zu finanzieren. Jetzt ist er endlich fertig.

?Gibst du einen Überblick über die Produktionen deiner jungen Produktionsfirma?
Jungfleisch: Es gab drei Filme, die meine Partnerin und ich aus unserer alten Firma mitgenommen haben. Seitdem haben wir einen Animationsfilm und eine Kurzfilm abgeschlossen, ausserdem den Dokumentarfilm “Mast Qalandar (Der Ekstatische)”, der in Pakistan gedreht wurde. Ein weiterer Kurzfilm “Eine kleine, feine Geschmackssache” ist fertig (ein Film über den Gipfel der saarländischen Kochkunst: Die Dampfnudel mit Salzkruste) und augenblicklich sind wir bei der Finanzierung eines Films über den Palast der Republik. Und wie man sieht, wir brauchen zuerst mal eine kleine Babypause.

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