Archive for September, 2006
Das Parfum
by su on Sep.27, 2006, under 5 Minuten nach dem Film
Seit 16. September. Dass ein Geruchsroman in Frankreich spielt passt. Aufgewachsen an der französischen Grenze, weiss ich, dass Scherze über streng riechende Slips bis hin zum hardcore-aromatischen korsischen Käse selten negativ konnotiert sind. Schmutz und Gestank gehören zum Leben und in diesem Punkt ist der Film saftig triefend und explizit durch die Verwendung des Close. Liebt und suhlte man sich hingegen in der Komplexität des Roman, sieht man den Film zu einem gehörigen Teil wie eine Gedankenstütze zur eigenen Phantasie und den Gefühlen am Abgrund des Seelenlebens, die das Buch heraufzubeschwören vermochte. Zum Beispiel den Unterschied zwischen der komplett ‘dehydrierten’ Persönlichkeit des asozialen Grenouille und im Film – klar – da geht’s dann irgendwie doch um Liebe und fleischliche Orgie. Vielleicht fehlte der Mut, das Sujet wurde zuschauerkonform gemacht. Der Film ist gut, überrascht hat er nicht.
Mañana al Mar – Anke Jungfleisch
by su on Sep.23, 2006, under Interviews
Über die Lust einen Dokumentarfilm zu machen
Mit “Mañana al Mar”, der am 28. September startet, findet ein witziger, lebensbejahender Film seinen Weg ins Kino. Der diesjährige Ophüls-Dokumentarfilmpreisträger wurde produziert von Anke Jungfleich. Sie ist Mitinhaberin von gop03, einer Filmproduktionsfirma im Berliner Prenzlauer Berg, und es ist nicht zu übersehen, Anke wird bald Mutter.
?Wie sieht dein Job als Producerin eines Dokumentarfilms aus?
Jungfleisch: Zuerst bekommen wir ein Treatment oder ein Exposé zu lesen, je nachdem mit was die Autoren vorbei kommen. Darin versuchen wir eine spannende Geschichte zu entdecken. Wenn wir denken, es könnte auch andere interessieren, greifen wir uns den Stoff, überarbeiten ihn mit den Autoren zusammen und versuchen ihn finanziert zu kriegen. (continue reading…)
Aktuelle Dokumentarfilm-Tipps — Between the Lines, Mañana al Mar & Gambit
by su on Sep.23, 2006, under 5 Minuten nach dem Film
Dieses Jahr haben wir es mit einem wahren Boom des Genres zu tun, und schon die Zuschauer beim Ophüls Festival 2006 wurden von einigen Perlen dokumentarischer Realitätsfindung überrascht. Drei der fünf Wettbewerbfilme – schillernd, lebensbejahend, skandalös – finden gerade ihren Weg auf die Kinoleinwand:
Between the Lines – Buntes Transgender
Am 31. August startete “Between the Lines”, der nicht anders zu beschreiben ist als absolut faszinierend. Er entführt in eine fremde Sphäre des Seins, die schillernd und einzigartig ist auf dieser Welt. Die Deutsch-Französische Schülerjury beim Ophüls Festival kürte den Film überraschend zu ihrem Favoriten. “Between the Lines” erzählt von den Hijras, den “Dritten Geschlecht Indiens’ wie sie der Film beschreibt. Hijras können segnen oder verwünschen, sie lassen sich bezahlen für ihre privaten Dienste und sind fester Bestandteil der indischen Gesellschaft, deren allgegenwärtige Spiritualität die europäische bei weitem übersteigt. Regisseur Thomas Wartmann berichtet von einem irritierenden Eindruck beim Betreten der Welt der Hijras: “… Die ersten Recherchen in Dehli, Bombay, Bangalore brachten keine wirkliche Nähe. Sie (die Hijras) feierten ihre Kastration als Neugeburt, die Entscheidung weder Mann noch Frau zu sein, als große Freiheit. (…) Dann begegnete ich Anita, einer Fotografin, einer Inderin — und vor allem einer Frau. Mit ihr hatte ich einen Zugang gefunden. …”.
>>“Between the Lines”, “Mañana al Mar” und “Gambit” im Netz.
Mañana al Mar – Anti-Aging
Neuestes Spezialprodukt zur Gesellschaftsdiskussion mit garantiertem Lach- und somit Schönmach-Effekt ist “Mañana al Mar”. Der Sieger des Ophüls-Dokumentarfilmwettbewerbs 2006 startet am 28. September. Da jeder von uns das Altwerden vor sich hat und den meisten von uns die Hoffnung bleibt, das ohne seelischen Schaden zu überstehen, kann man sich körperlich nie früh genug darauf vorbereiten. Also schaut “Mañana al Mar”, die zeigen wie’s geht, nämlich mit viel viel Humor. Ines Thomsen, die Regisseurin, lebte einige Zeit in Barcelona und lernte diese Clique alter Menschen kennen, die sich jeden Tag am Strand treffen, schwimmen, singen, laufen gehen oder Burgen bauen und so bemerkenswert “würdevoll’ altern. Thomsen, die mittlerweile auch für ihre Kameraarbeit ausgezeichnet wurde, beschreibt ihren ersten Eindruck: “… Ich lief am Strand entlang und hörte eine Frau Boleros trällern, die fröhlich ihre Pirouetten im Wasser drehte. Am Ufer stand ihre Krücke und wartete auf sie. …” (siehe auch Interview mit Produzentin Anke Jungfleisch).
>>“Between the Lines”, “Mañana al Mar” und “Gambit” im Netz.
Gambit – Skandalöse Enthüllungsgeschichte
Ein Stoff wie für einen Polit-Thriller und ein Bauernopfer, Jörg Sambeth, der Jahre später vor der Dokumentarfilmkamera Rede und Antwort steht. “Gambit” von der Schweizerin Sabine Gisiger startet am 21. September in Deutschland. Der die Firmenhierarchien der Siebziger detailreich rekonstruierende Film bringt genau 30 Jahre später Aufklärung in den Skandal über die hochgiftige Dioxinwolke, die im italienischen Seveso akute Hautverätzungen bei vielen Menschen, Tier- und Umweltsterben brachte. Nur der Chemiker und technische Direktor des verantwortlichen Großkonzerns Hoffmann-La Roche mußte für fünf Jahre ins Gefängnis, das Weltunternehmen vertuscht bis heute die Details. Als bewegend schilderte die Regisseurin in Saarbrücken den Augenblick, als der zu Unrecht zur Verantwortung gezogene Sambeth in Seveso gemeinsam mit den Menschen die Premiere von “Gambit” feierte. Fast 30 Jahre danach bat Sambeth um Vergebung – bei der Film-Premiere in Seveso.
>>“Between the Lines”, “Mañana al Mar” und “Gambit” im Netz.
>>“Between the Lines”, “Mañana al Mar” und “Gambit” im Netz. Weitere sehenswerte Dokumentarfilme, demnächst auf DVD erhältlich: “We feet the World” und “What the Bleep do we know”
Sehnsucht
by su on Sep.17, 2006, under 5 Minuten nach dem Film
Filmstart: 7. September. Habe ‘Sehnsucht’ gesehen, vor längerer Zeit bereits. Irgendwie erschien’s mir zu anstrengend zu beschreiben, warum ‘Sehnsucht’ ein sehenswerter Film ist. Ein Film, der das Übermenschliche schaffte, als junger deutscher Film im Wettbewerb der ‘großen Berlinale’ zu landen. Scheinbar muss man dafür ein Rechtfertigung bringen und der Film ist einfach nicht wie andere Kinder.
Auf jeden Fall: Er verbreitet ein Faszinosum in Sachen Was (Thema: Sehnsucht nach Liebe und Abenteuer ein Leben lang; innere Glut, die niemals erlischt), eine Ehrlichkeit im Wo (Originalschauplatz Dorf in Brandenburg) und im Wer (Laien bzw. die ‘UrEinwohner’ spielen alle Rollen, gelingt toll) und eine Tragik im Wie (die soll sich jeder im Film selber anschauen).
Die Geschichte: Markus, ewig mit Ella zusammen, verliebt sich auf einem Reise seiner Feuerwehr-Gruppe in Rose. Und mit der Sehnsucht ist es wie mit der Hoffnung, die stirbt zuletzt. Der Film ist leise und langsam und Glückwunsch für den Schluß.
www.sehnsucht-der-film.de
Adams Äpfel
by su on Sep.17, 2006, under 5 Minuten nach dem Film
Skurriler und phantasievoller Beitrag zum großen Grundmotiv: Gut gegen Böse und eine Empfehlung, wenn man so was wie die reine Lust aufs Kinogehen verspürt. Die Story: Neonazi Adam soll soziale Kompetenz lernen bei einem Pfarrer, der das Böse komplett aus seinem Repertoire ausgeblendet hat und für Adam eine Angrifffläche de luxe bietet. Diese Konstellation wird mit dänischer Abgebrütheit erzählt, die ein klein wenig mit Bluteffekten liebäugelt.
www.adams-aepfel.de
Trailer









