Emmas Glück – Sven Taddicken

by on Aug.17, 2006, under 5 Minuten nach dem Film, Interviews

Ein brillianter unter Deutschlands Darstellern Jürgen Vogel spielt Max, einen totkranken Autoverkäufer, der nach einem geeigneten Platz zum Sterben sucht. Emma, verkörpert durch Kino-Neuentdeckung Jördis Triebel, ist eine bis über beide Ohren verschuldete junge Bauersfrau, die ihre Schweine aus einer tiefen Überzeugung heraus eigenhändig schlachtet. Ihr fallen mit Max — um bei den Bildern des Films zu bleiben — eines Nachts plötzlich Geld und Mann mitten auf dem Hof.

Kinostart heute, Interview mit Regisseur Sven Taddicken (in der Kurzfassung – demnächst dann ganz):

?Du magst Geschichten, in denen tragische und witzige Momente nah bei einander liegen?
Taddicken: Ist ja jedem klar, dass es da hin und her gehen muss! Bei “Emmas Glück” wusste ich, filmisch gesehen ist das ein Melodram. Wichtig, dass es da diese Szenen mit dem Dorfpolizisten gibt. Der Film erlaubt es sich, in Momenten Humor sogar Slapstick zu zeigen, gerne albern zu wirken, ohne dass das eine der Figuren irgendwie verrät oder sie nicht mehr im Kern getroffen wird. Mit dieser Frische kommt man in die tragischen Szenen zurück.

?Was ist entscheidend, wenn du eine Regie übernimmst? Man könnte annehmen, “Emmas Glück” sei eher ein Stoff für Frauen?
Taddicken: Natürlich kommt das zur Sprache, wenn Produktion und Verleih über Zielgruppe und Plakat nachdenken. Mir war das aber egal, denn ich habe gemerkt, diese Geschichte berührt mich. Ich finde, eine Geschichte sollte schon auf dem Teppich bleiben oder daraus eine Ehrlichkeit ziehen, dass es eine Geschichte über Menschen ist, die man kennt. Was macht einen Film zum Frauenfilm? Das hat mit Identifikation zu tun und ich glaube, dass man an die Emma gut rankommt. Emma ist eine Frau, auf die auch so mancher Mann stehen wird, eine, die wie bei Max, einfach zupackt. Das sind aber Argumente, die für mich keine Rolle spielen. Ich würde nie einen Film machen, bei dem ich denke, das ist alles ein bisschen komisch, aber die Mädels denken bestimmt gut. Das wäre ein Kompromiss und den würde ich ungern machen.

?Du hast zwei Filme gemacht. Bei beiden geht es um die Liebe?
Taddicken: Ja eine bestimmte Art von Sehnsucht ist bei allen Menschen da. Die Suche nach Vertrauen in einer Liebesbeziehung oder wie beim “Vampir” Sex ist Vertrauenssache. Was mich bei der Figur Emma beeindruckt hat, ist, dass bei ihr der Tod zum Leben gehört, was eigentlich eine Binsenweisheit ist. Ich will nicht sagen, dass Max sich deswegen in sie verliebt. Irgendwann spürt und begreift er aber, die kann mir vielleicht wirklich helfen. Die kann bei mir sein, wenn es bergab geht, wenn ich leiden werde wegen meiner Krankheit. Eine Frau, die die Augen aufbehalten kann, weil sie zumindest ein Gefühl dafür hat, was das bedeuten könnte. Das fand ich wiederum sehr anrührend. Dass es eine Liebesgeschichte ist, die das Tabuthema Tod auf irgendeine Art durchbricht und Emma im wahrsten Sinne des Wortes eine ist, die das in die Hand nimmt: den Tod, der unausweichlich ist. Das ist ein Vertrauensbeweis im wahrsten Sinne.
Deutschland 2006; R: Sven Taddicken; D: Jürgen Vogel, Jördis Triebel, Martin Feifel
www.emmas-glueck.de
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