Ralph Schwingel – Wüste Filmproduktion
by su on Jan.25, 2006, under Interviews
5000 Euro für saarländisches Drehbuch
Mit seiner Firma Wüste Filmproduktion gelang dem in Hamburg arbeitenden Saarländer Ralph Schwingel der furiosen Filmerfolg “Gegen die Wand” (Regie: Fatih Akin), der 2004 u.a. den Goldenen Bären der Berlinale, den Europäischen und den Deutschen Filmpreis gewann.
Bei der Preisverleihung des Max Ophüls Festivals 2005 rief Schwingel spontan einen saarländischen Drehbuchpreis von 5000 Euro aus. Soviel hatte er für sein erstes Drehbuch von der Saarländischen Filmförderung erhalten. Jetzt will er sich bedanken, sagte er, und stiftet beim Max Ophüls Preis 2006 5000 Euro für ein saarländisches Drehbuch.
Das Interview entstand während der Berlinale im Februar 2005.
?Hat sich das Leben als preisgekrönter Produzent verändert?
Ralph Schwingel: Kann man nicht direkt sagen. “Gegen die Wand” läuft gerade erst in Italien und den USA an. International wird der Respekt größer, doch bleibt es gleich schwer Filme zu finanzieren. Das ist natürlich Klagen auf hohem Niveau in einem stromlinienförmigen Moment des Erfolges.
? Welchen Film würden Sie drehen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?
Ralph Schwingel: Geld hat mir nie wirklich gefehlt – das darf man eigentlich gar nicht öffentlich sagen. Mein Traum ist aber auch nicht 1000 Statisten und riesige Actionsequenzen. Die Filme, die ich mache, sind Plot- oder Charakter-geführt. Es gibt ein Buch, das mich interessiert, “Tod und Teufel” von Frank Schätzing, das ist ein Film der Größenordnung, wie sie in Deutschland zur Zeit nur Bernd Eichinger machen kann. Ich muss sicher sein, dass meine Filme sich refinanzieren.
? Sie haben ein gutes Gespür, welche Stories Menschen bewegen. Woher kommt das?
Ralph Schwingel: Aus der dreisten Annahme heraus, dass was mich bewegt, bei anderen Menschen auch gelingt. Die inneren Spielregeln sind es. Die Leute, die für mich arbeiten, wissen: Emotion muss überspringen. Bei unserem Max Ophüls Beitrag “Eine andere Liga” hat das funktioniert.
? Was sagen sie rückblickend zum Max Ophüls Preis?
Ralph Schwingel: Immer gut. Da schau ich mir neue Strömungen und Schauspieler an. Wenn dort ein Film funktioniert, bleibt er nicht kalt. So war es diesmal bei “Eine andere Liga” von Buket Alakus mit unserem Publikumspreis. Wir haben den Schmiss gehabt gegen eine starke Konkurrenz wie “Wahrheit und Pflicht” oder “Bin ich sexy?” zu bestehen.
? Sie stiften einen Drehbuchpreis von 5.000 Euro für ein Langfilmdrehbuch mit saarländischem Thema.
Ralph Schwingel: Mein Herz schlägt für’s Saarland und für Hamburg habe ich in dieser Hinsicht genug getan.
? Bis wann sollen die Drehbücher fertig sein?
Ralph Schwingel: Am besten zum 1. Dezember 2005. Zur Not bekoche ich die Jury während sie entscheiden.
? Die Idee für ihre neue Produktion “Kebab Connection” stammt von ihnen, das Drehbuch unter anderem von Fatih Akin. Eine wahre Geschichte?
Ralph Schwingel: Fatih Akin stand vor einigen Jahren wirklich bei mir im Büro und wollte den ersten deutschen Kung-Fu Film machen. Meinen Fernseher eingetreten hat er allerdings nicht, wie es im Film zu sehen ist. Ich habe ihm immer wieder gesagt, du musst den Film über einen Typen machen, der diesen Kung-Fu Film drehen will. Er mochte meine Idee nicht. Zwei Monate hat er an mir rumgenestelt, dann hat er es geschrieben als ich ihm angedroht habe, wenn du es nicht machst, mach ich es. Nach seinen Erfolgen kam er nicht mehr dazu, bei dem Film selbst Regie zu führen. Die Schwangerschaft ist keine wahre Geschichte, die Angst vor dem Vater schon.
? Ihr Lieblingscharakter in “Kebab Connection”?
Ralph Schwingel: Mehmet, der Vater, der ja seinen eigenen Widerspruch kapiert. Ibo ist unbeugsam ‘wie du findest meinen Film nicht gut?’ und versucht sich vor dem Brauchtum zu verstecken. Und Titzi ist einfach kein Opfer. Das liebe ich an diesem Film.
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