Archive for December, 2005

Debüt im Dritten – Deutsch deutsche Bilderstürmer

by on Dec.02, 2005, under Diverses

Neun rebellische und exzentrische Streifen Zelluloid hat das Max Ophüls Festival 2006 zu zwei Filmreihen zusammengepackt, die zwischen dem 23. und 29. Januar unter anderem in Saarbrücken’s neuer Camera Zwo über die Leinwand flimmern werden:
“Debüt im Dritten”, 20 Jahre Filmförderung für Jungfilmer vom SWR, und das “DEFA”-Studio für Spielfilm der DDR zeigen Raritäten für junge Revoluzzerherzen. Die folgenden Filme haben außerdem eine wichtige Rolle bei Ophüls Festival selbst gespielt. Dafür lohnt es sich doch, die Lauerstellung auf dem Sofa mal aufzugeben.

Drei Jugendliche brechen nachts in die Villen reicher Leute ein, räumen auf ihre Art und Weise auf und hinterlassen subversive Botschaften. Nicht nur die Creme de la Croissette beim Festival in Cannes huldigte dem Film “Die fetten Jahre sind vorbei” (Regie: Hans Weingartner) mit der frisch gekürten Europäischen Schauspielpreisträgerin 2005 Julia Jentsch.

Julia Jentsch spielt auch mit in der schrägen Pubertätsposse “Mein Bruder der Vampir” (Regie: Sven Taddicken) über Heranwachsende in der tragischen Phase vor dem ersten Sex.

Die blonde Schnepfe “Kroko” (Regie: Sylke Enders) ist eine knallharte Cliquenchefin, die für die Welt nicht viel übrig hat, bis sie zum Sozialdienst mit Behinderten verdonnert wird.

Dem Alltag gilt das Interesse von Deutschlands zur Zeit vielleicht beliebtestem Autorenfilmer Andreas Dresen. “Stilles Land” erzählt eine frühe Wiedervereinigunggeschichte aus dem deutschen Osten.

“Der Wald vor lauter Bäumen” (Regie: Maren Ade) – sich nicht mehr zurecht finden. So geht es einer Lehrerin, die ein neues Leben beginnen will, in dieser dramatischen und humorigen Story.

Pathologisch und beklemmend ist “Der Totmacher” (Regie: Romuald Karmakar) mit Götz George. Der Film erzählt vom Verhör des Massenmörder Haarmann, der mit dem Hackebeilchen.

Der DDR-Wehrdienst ist vorbei für “Ete und Ali” (Regie: Peter Kahane) und damit beginnt die Komödie über ein sehr ungleiches Freundespaar und eine Frau, die es zurückzuerobern gilt.

“Stielke, Heinz, fünfzehn” (Regie: Michael Kann) ist zu bedauern, man bescheinigt dem Musterschüler nach dem Blutschutzgesetz ein ‘Rottenführer mit Webfehler’ zu sein. Der getreue Hitlerjunge ist Jude.

“Erster Verlust” (Regie: Maxim Dessau) spielt während des 2.Weltkrieg und handelt von der Liebe einer Frau zu einem russischen Kriegsgefangenen.
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Transit Frankreich – Reihe Max Ophüls 06

by on Dec.02, 2005, under 5 Minuten nach dem Film, Diverses

La frankofili ist weiblich

All die coolen Flimmerbilder, die atemlos tollen Frauen, die Männer mit dem Geheimnis, für das man sterben möchte? Im Kinosessel sitzen, auf die Leinwand starren, eingelullt in den butterweichen Gedanken “wie geil ist das denn’. … Und auch dieses Jahr haben wir gute Chancen auf warme Gedanken während der kalten Jahreszeit. Es gibt eine Filmreihe, die das Max Ophüls Filmfestival zur allgemeinen emotionalen Erwärmung ins Rennen um die beste Freizeitbeschäftigung zwischen dem 23. und 29. Januar schickt. “Transit Frankreich” zeigt weibliche Lebensentwürfe, die einer gewissen skurrilen Verzerrtheit unterliegen und in ungewöhnliche Geschichten verpackt sind. Gemeinsam ist den vier französischen Produktionen, dass sie von Frauen für Frauen entstanden. Ein gutes Beispiel für das, was die Franzosen nicht nur uns Deutschen voraus haben: die Frauen machen zu lassen.

Da ist einmal der Film “L’annulaire – Der Ringfinger” mit der wunderschönen und erotischen Olga Kurylenko in der Hauptrolle und dem coolen Stipe Erceg (bekannt aus “Die fetten Jahre sind vorbei”) in der männlichen Traumrolle schweigen, rauchen und gut aussehen. Nach einem Arbeitsunfall, bei dem sie ein Stück ihres Fingers in einer Abfüllanlage für Getränkeflaschen verliert, irrt Iris auf der Suche nach einem Job etwas holistisch durch die Gegend und findet Arbeit bei einem geheimnisvollen Wissenschaftler und Präparator. Story und Regie kommen von Diane Bertrand, die lange mit “Die fabelhafte Welt der Amelie”-Macher Jean-Pierre Jeunet zusammen arbeitete und mit “Der Ringfinger” eine geheimnisträchtige Welt erschuf, die auf der Ile de France und in Hamburg spielt.

In “Gentille” geht es von Anfang an absurd zu. Die Anästhesistin Fontaine Leglou (Emmanuelle Devos) schlendert durch Paris und läßt sich von einem Straßenkünstler zeichnen. Die Zeichnung wird zur unschönen Karikatur. Weiter ist da der Heiratsantrag, den Fontaine weder mit nein, noch mit ja beantwortet. Situationen spielen, um anders auszugehen. (Verbaler) Irr-Sinn und Ironie sind bei diesem Film verwoben im witzigen Einklang und situativ sehr komisch. Dabei stellt sich immer die Frage nach nett (frz: gentil, le) oder etwas weniger?

Auch bei “Quand la mer monte – Wenn die Flut kommt” verweist eine kleine Szene auf die Story des Films. Es ist ein Theaterstück, zu dem ein potentieller Liebhaber aus dem Publikum benötigt wird – eine komisch-tragische Mörderin sucht nach der großen Liebe. Die verheiratete Schauspielerin Irène tourt mit ihrem fahrenden Bühnenprogramm durch Nordfrankreich. Sie trifft den temperamentvollen Lebenskünstler Dries, der sie, schneller als sie sich versieht, begleitet. Die bekannte französische Schauspielerin Yolanda Moreau schrieb (mit Gilles Porte) das Skript, führte Regie und spielt bezaubernd diese Liebesgeschichte einer Frau, die zwei Leben lebt: Eigenheim und Bretter, die die Welt bedeuten.

Film vier stammt von einer Regisseurin, Brigitte Rouan, die, wenn sie alle ca. sechs Jahre einen Film macht, ihm nach eigenen Angaben in Ermangelung eines besseren realisiert. Sie hat uns aufgetischt “Traveaux” mit der wunderschönen Carole Bouquet in der typisch französischen Mittvierziger Krise. Sie verkörpert Chantal, erfolgreich, jedoch ohne Mann, bei der eine Wohnungsrenovierung die Lebensrevolution bringen soll. Sie selbst ist Anwältin und so kommt es dazu, dass über einen ehemaligen Klienten, den sie wegen eines Visums vertrat, Schwarzarbeiter ihre Wohnung und ihr Leben – eben dann doch ungewollt – revolutionieren. Eine im doppelten Sinne ‘schwarze’ Komödie für die Franzosen und ihr Integrationsproblem.
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“Transit Frankreich – femmes et femmes”:
“Der Ringfinger” – 27.01. um 18.30 Uhr und 28.01. um 21 Uhr, Camera Zwo
“Gentille” – 27.01. um 21 Uhr und 28.01. um 18.30 Uhr, Camera Zwo
“Wenn die Flut kommt” – 25.01. um 18.30 Uhr und 26.01. um 21 Uhr, Camera Zwo
“Traveaux” – 25.01. um 21 Uhr und 26.01. um 18.30 Uhr, Camera Zwo

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Lichtspielleiterwechsel camera zwo

by on Dec.01, 2005, under Diverses

WM* 2006
Saarbrücken, im Dezember 2005

Ein Wechsel beim “Scala” mit seinem One-Dollar-Kino-Konzept erhitzt im Moment einige Gemüter in der saarländischen Landeshauptstadt. Unterm Strich kann sich der werte Kinogänger jedoch behaglich zurücklehnen, denn wenn nicht alles total daneben läuft, ist der zahlende Cinéast Nutznießer und kriegt ein neues Arthouse-Kino. Der Name: “Camera Zwo”.
Mit der Diskussion um das “Scala” ist es irgendwie ähnlich wie beim Fussball. Viele erfolgreiche und medienwirksame Spieler agieren zur Zeit im Mittelfeld: Ronaldinho, Zidane, Beckham, Ballack. Tatsächlich diskutiert sich nun die Kinoszene die Köpfe darüber heiß, ob ein Mittelfeldstar reingenommen werden sollte oder nicht. Klar! Große Klasse für uns Zuschauer! Denn so einer fehlt uns!
Um diesen Vergleich nun auch wirklich verstehen zu können, muss folgendes geklären werden. Kinos sind wie auch Fussballmannschaften auf das Kommen und die Launen der Zuschauer beziehungsweise Fans angewiesen. Die Kasse muss klingeln und das gelingt nur durch attraktiven Fussball. Elf Freunde sollt ihr sein, zu einer Mannschaft gehören Abwehr, Mittelfeld und Sturm. Übersetzt aufs Kino heißt das, Multiplexe, Arthouse- und Kommunale Kinos spielen zusammen und machen die Attraktivität des Cinéma in einer Stadt aus. Und wie beim Fussball sind im Mittelfeld, im Arthouse Bereich, weltweit sehr attraktiven Akteure tätig: City of God (Brasilien, Oscar nominiert), Invasion der Barbaren (Frankreich, Canada, Oscar), Lang lebe Net Divine (Großbritannen) oder Good Bye, Lenin (Deutschland, Oscar nominiert).
Und der Trainer? “Ich habe den bescheidenen Wunsch, dass durch die Idee mit der “Camera Zwo” für das Publikum Zeiten einkehren, die cineastisch befriedigender sind,” meint Chefcoach Michael Krane, der seinen Vertrag bereits in der Tasche hat. “Wir leben in einer Universitäts- und Landeshauptstadt. Ich biete ein verbessertes Angebot für Leute, die gern ins Kino gehen und Entdeckungen machen wollen.” Fakt ist, ab 5. Januar kommenden Jahres spielt Krane sein Arthousekonzept für Saarbrücken. Und um die naheliegende Frage einiger Insider zu beantworten: Ja, die Anlehnung an die vor circa einer Dekade geschlossene “Camera” ist hundertprozent beabsichtigt. Michael Krane war auch damals dort der künstlerische Leiter.
Für seine zukünftige Betriebsplanung hat der Kinomacher mal ausgerechnet, dass etablierte Arthousefilme mit bis zu 40 Wochen Verspätung in Saarbrücken über die Leinwand flimmern, so der Fall bei Jarmusch’s “Broken Flowers”. Grund genug für Krane sich die ihm bietende Gelegenheit beim Schopf zu packen und aus dem “Scala”, einem Nachspielkino, dem früher oder später die flotten DVD-Neuerscheinungen die nötigen Meter abtrotzen werden, in guter Tradition die “Camera Zwo” zu eröffnen.
Bis dahin gibt es für alle Leser einen kleinen Trainingstipp: Schult euer cinéastisches Auge, indem ihr euch, wenn noch nicht geschehen, im “Scala” den Artcomic-Knüller “Sin City” anschaut (Eintrittspreis: 2,70 Euro).
Und was macht so einen richtigen Arthousefilm aus? Das sind die cinéastischen Allroundtalente aus dem Mittelfeld – wie zum Beispiel Michael Kranes Liebling “Lost in Translation”, der aus der Tiefe des Raumes kam, die Lücke sah und den Pass präzise im finanziellen Tor versenkte.
Michael Krane plant übrigens seinen Saisonstart am 5. Januar 06 relativ relaxed angehen zu lassen mit Andreas Dresens “Sommer vom Balkon”.

*WM steht für Wichtige Meldung

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