NETTO – Robert Thalheim

by on May.02, 2005, under 5 Minuten nach dem Film, Interviews

“Imbissbudenverkäufer sind die Therapeuten der Deutschen Einheit”

Ophüls Preisträger NETTO kommt in die Kinos

Für seinen Debütfilm NETTO erhielt Robert Thalheim beim Max Ophüls Festival 2005 den “Förderpreis Spielfim’ — bares Geld für einen Filmemacher. Bei der Berlinale kam die wichtige Auszeichnung “Dialogue en perspective’ hinzu, die das junge deutsche Kino dem französischen Publikum nahebringen soll. Kurz vor Filmstart am 05.Mai telefonierte POTATO mit dem 1974 geborenen Regietalent in einem Hotel in Krakau, wo er für seinen neuen Film recherchiert.

Netto - Robert Thalheim

?Was möchtest du gerne in Zukunft im Kino sehen?
Robert Thalheim: Filme, die die Welt um uns herum behandeln und nicht nur eine Abschussrampe darstellen, um später weiter zu leben wie zuvor. Das Reale gefällt mir.

?Du hast gesagt: “Imbissbudenverkäufer sind die Therapeuten der Deutschen Einheit”. Für NETTO hast du an Ort und Stelle recherchiert?
Robert Thalheim: Ich bin da nicht hingegangen wie zu einer Feldstudie, sondern habe eher versucht aus Erfahrung und Beobachtung Bedürfnisse herauszulesen. Einige traurige Begegnungen waren dabei.

?Hast du das Geld vom Max Ophüls Preis bereits verplant?
Robert Thalheim: Das läuft in die Vorbereitungen zum neuen Film.

?Wegen dem du gerade in Krakau bist: “Oswiecim”. Was heißt das?
Robert Thalheim: Auschwitz.

?Wie NETTO basiert der Film auf eigenen Erlebnissen? Wie fühlst du dich gerade?
Robert Thalheim: Gut, denn ich verbinde mit Auschwitz, dass ich Freundschaften geschlossen habe. Meinen Zivildienst in der Gedenkstätte habe ich mit einem großen Begriff begonnen, für den ich mich interessierte. Hineingetragen wurde ich in ein konkretes, spannendes, aufregendes Land. Einen tollen Teil meines Lebens habe ich hier verbracht.

?Weshalb hast du dich für Polen entschieden?
Robert Thalheim: Ich bin West-Berliner. Nach der Schule wollte ich ins Ausland und mit meinen Eltern war ich bis dato in Amerika, Asien und sonstwo. Das 60km entfernte Polen war das Fremdeste, was man machen konnte. Das hat mich gereizt und seine Geschichte hat mich interessiert.

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Kurzinhalt:
Mit NETTO ist Robert Thalheim eine tragikomische Milieustudie gelungen, eine Vater-Sohn-Geschichte mit vorwitziger Digicam gefilmt. Sebastian (Sebastian Butz) möchte lieber wieder bei seinem Vater am Prenzlauer Berg wohnen, wenn die Mutter mit ihrem neuen Lebensgefährten von Berlin aufs Land zieht. Der Vater (brilliant: Milan Peschel) ist ein arbeitsloser Sicherheitstechniker und liebenswürdiger Thekenexperte. Der Film beschreibt eine Kameradschaft, in der der Vater vom Sohn eine Menge lernen kann.

NETTO
Deutschland, 2004
Buch und Regie: Robert Thalheim; u.a. mit Milan Peschel, Sebastian Butz
Kinostart: 5. Mai 2005
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